"Ghetto Theresienstadt" - Gedenken und Mahnung

VVN-BdA Chemnitz enthüllt Gedenktafel im Kolumbarium des Ghettos

 

 

Am 3. Juli 2018 enthüllten Mitglieder des Stadtverbandes Chemnitz der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA Chemnitz) im Kolumbarium des ehemaligen Ghettos "Theresienstadt", dem heutigen Terezín, eine Gedenktafel für die Chemnitzerinnen und Chemnitzer, die dort zwischen 1942 und 1945 den Faschisten zum Oper fielen. Die Idee dazu lieferte der gebürtige Chemnitzer Dieter Nendel aus Gera. Er hatte seine Jugend am Ende des Zweiten Weltkrieges noch bis 1954 in Chemnitz verbracht. Das Projekt selbst verwirklichten Mitglieder des VVN-BdA Chemnitz. Finanziert wurde es durch Spenden. Der Text auf der Tafel, der auch ins Tschechische und Englische übersetzt wurde, lautet:

Zum Gedenken an die Chemnitzerinnen und

Chemnitzer, die im Ghetto “Theresienstadt”

den deutschen Faschisten zum Opfer fielen.

Zur Mahnung an die Nachgeborenen.

Nie wieder Faschismus!

Im Kolumbarium, gelegen in der Großen Festung "Theresienstadt" lagerten rund 26 000 Pappkartons mit der Asche der Toten aus dem Ghetto. Als die Rote Armee vorrückte, ließ die SS, um Beweise zu vernichten, die "Urnen" abtransportieren. Die Asche von rund 22 000 Toten wurde in die nahegelegene Ohre geschüttet. An dieser Stelle erinnert heute eine Stele an diese faschistischen Verbrechen. Die übrigen Urnen wurden unweit des "Konzentrationslagers Leitmeritze " vergraben.

Die deutschen Faschisten ließen das Ghetto 1941 errichten, indem sie die dort ansässige Bevölkerung zwangsweise aussiedelten. Ursprünglich war dieses Lager als Sammellager für Juden aus dem "Protektorat Böhmen und Mähren" gedacht. Ab 1942 wurden jedoch auch viele Jüdinnen und Juden aus dem sogenannten "Altreich" nach Theresienstadt/Terezín deportiert. Unter unmenschlichen Bedingungen lebten die "Neuen Bewohner" zusammengepfercht auf engstem Raum und waren den Schikanen ihrer Bewacher ausgesetzt. Für Viele blieb, sollten sie nicht vorher bereits umgekommen sein, "Theresienstadt" nur ein Zwischenaufenthalt. Zahlreiche Menschen wurden vom Ghetto aus weiter nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht. In der faschistischen Propaganda, vor allem dem Ausland gegenüber, hieß es, das Lager sei ein "Alterssitz für die Juden". Auch viele Chemnitzerinnen und Chemnitzer fanden so nur den Tod.

Rund 140.000 Menschen kamen zwischen 1941 und 1945 nach "Theresienstadt". Darunter auch Bürgerinnen und Bürger aus Österreich, den Niederlanden, der Slowakei, Ungarn und Dänemark. Aus Bialystok kamen 1260 Kinder (Quelle: wikipedia). Wie viele Chemnitzerinnen und Chemnitzer in das Ghetto deportiert wurden, lässt sich heute nicht mehr genau feststellen. Unterschiedliche Quellen mit ebenso unterschiedlichen Forschungsständen nennen Zahlen zwischen rund 120 (Dr. Jürgen Nitsche - in "Juden in Chemnitz") und 500 (Adolf Diamant - "Gestapo Chemnitz"). Eine neuere Publikation "NS-Terror und Verfolgung in Sachsen von Dr. Brenner und weiteren Autoren geht von rund 225 Deportierten aus. Auf diesem Gebiet ist sicher noch viel Forschungsarbeit notwendig. Viele gehörten der Jüdischen Gemeinde an. Aber auch Menschen, die nach den Nürnberger Rassegesetzen zu "Mischlingen 1. und 2. Grades" erklärt wurden, kamen in das Ghetto.

In seiner Rede während der Enthüllung der Gedenktafel erinnerte der Vorsitzende des VVN-BdA Chemnitz, Enrico Hilbert, daran, wie wichtig es gerade in der heutigen Welt ist, die Erinnerung an die Verbrechen der deutschen Faschisten wachzuhalten. Faschistischen Tendenzen müsse überall entgegen getreten werden. Herr PhDr. Jan Roubínek, Direktor der Gedenkstätte, verwies ebenfalls auf die Bedeutung der Erinnerungskultur und bedankte sich für die Initiative der Chemnitzer.


Text/Fotos: Jonny Michel

Bildtexte:

Enrico Hilbert und PhDr. Jan Roubínek enthüllen die Gedenktafeln

Mitglieder des VVN-BdA Chemnitzer

Gedenktafel

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