Folgen Sie uns:

Rück- und Ausblick auf die Jahre 2025 bis 2026

Aktuelles

27. Januar - Internationaler Tag der Erinnerung und Gedenken der Opfer der europaweiten deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager

Teil 1

(Das Datum erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945, was das symbolische Ende des Holocausts markiert); Teil 1

1943 befahl der „Reichsführer-SS“ Heinrich Himmler, die jüdischen Ghettos im Baltikum aufzulösen und deren Bewohnerinnen und Bewohner, bei denen es sich zu dieser Zeit ja faktisch bereits um Häftlinge handelte, zu ermorden oder in Konzentrationslager zu verbringen. Alle noch in Ghettos lebenden Juden sollten in Konzentrationslagern „zusammengefasst“ werden, um dort Zwangsarbeit zu leisten. Diejenigen, die dafür zu alt waren, wurden ausgesondert, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

In Lettland wurden im Zusammenhang mit der Auflösung des Ghettos in Riga im Frühjahr 1943 die Überlebenden des Rigaer Ghettos und der Ghettos von Liepāja, Daugavpils und Vilnus interniert und dafür das Konzentrationslager Kaiserwald (deutscher Name für Mežaparks) gegründet. Es war vom Umfang her recht klein und umfasste nur eine Fläche von 150 Metern mal 225 Metern. Es war jedoch der organisatorische Mittelpunkt der Registrierung und des Arbeitseinsatzes der Juden der Ghettos in Lettland und auch in Litauen – soweit sie den Holocaust bis dahin überlebt hatten. Da die Häftlinge durch Zwangsarbeit ausgebeutet werden sollten, entstanden auch 18 Außenlager zu dem eigentlichen KZ. Dort hielten sich vermutlich zwischen 2.000 und 3.000 Häftlinge beiderlei Geschlechts auf.

Die Mehrzahl der Juden, die im KZ Kaiserwald interniert waren, stammte aus dem Baltikum, aus Polen und aus Ungarn. Sie waren permanenten Misshandlungen ausgesetzt, die nicht nur von den SS-Wachmannschaften, sondern auch von den sogenannten Funktionshäftlingen ausgingen. Dies waren Insassen, denen Privilegien dafür zugestanden wurden, dass sie die Aufsicht über ihre Mithäftlinge führten. Vorwiegend wurden für diese Funktion kriminelle Häftlinge eingesetzt. Im Mai 1944 befanden sich fast 12.000 Häftlinge im KZ Kaiserwald und seinen Außenlagern, dabei handelte es fast ausschließlich um Jüdinnen und Juden.

Das KZ Kaiserwald war zwar kein Vernichtungslager wie beispielsweise Auschwitz, aber es fanden regelmäßig Selektionen statt, denen alle zum Opfer fielen, die zu jung, zu alt oder zu schwach zum Arbeiten waren.

Zu den ersten Insassen des KZ zählten auch einige hundert Sträflinge aus Deutschland. Nach der Besetzung Ungarns durch die Deutschen wurden ungarische Juden nach Kaiserwald verbracht, ebenso eine Anzahl von Juden aus dem Ghetto in Łódź. Im Mai 1944 waren 11.878 Gefangene im Stammlager und seinen Außenlagern registriert, davon 6.182 Männer und 5.696 Frauen. 95 Lagerinsassen galten als „Nichtjuden“.

Im Unterschied zu Auschwitz oder Treblinka war Kaiserwald kein Vernichtungslager. Deutsche Unternehmen, hauptsächlich die AEG, setzten zahlreiche Frauen aus Kaiserwald als Zwangsarbeiterinnen für die Produktion ihrer elektrischen Geräte ein.

Für die Organisation der Zwangsarbeit wurden die KZ-Außenlager in Riga am Balastdamm (18. August 1943 bis 7. August 1944), in den Dünawerken (18. August 1943 bis 1. Juli 1944), im Heereskraftfahrzeugpark (18. August 1943 bis 6. August 1944) und dessen Außenstelle in der Hirtenstraße (31. Januar 1944 bis 6. August 1944) eingerichtet. Weitere ab dem 18. August 1943 eingerichtete Außenlager befanden sich in Riga Lenta, Riga Mühlgraben, Riga Strasdenhof in der Widzemer Chaussee und bei der Rigaer Reichsbahn. In Riga Spilwe wurde ein Außenkommando bereits ab dem 5. Juli 1943 eingesetzt, in Riga Strasdenhof in der Widzemer Chaussee von der AEG bereits ab dem 1. August 1943, ab dem 1. Juni 1944 dann auch in der dortigen Anodenwerkstatt.

Das KZ-Außenlager „Riga Lenta (SD-Werkstätte)“ wurde von Eduard Roschmann geleitet, dem „Schlächter von Riga“, der vorher bereits das Kommando im Ghetto Riga geführt hatte. Nach der Befreiung vom Faschismus deutschen floh er mit Hilfe der italienischen Caritas und eines gefälschten argentinischen Reisepasses über Genua nach Argentinien, eine der sogenannten Rattenlinien. Dort baute er sich eine neue Existenz unter dem Namen Federico Wegener auf.

Wegen des Vorrückens der Roten Armee auf die baltischen Länder wollte das Sonderkommando 1005 unter Walter Helfsgott die Massenmorde für die Endlösung im Raum Riga vertuschen. Zwei jüdische Häftlingsgruppen zu je 30 Mann mussten von Mai bis September 1944 die Massengräber in den Wäldern von Rumbula und Bikernieki ausheben, die Leichen verbrennen, sowie Asche und Knochen verstreuen. Nachdem diese Arbeit getan war, wurden sie erschossen.

Ende Juni 1944 begann die SS, das Konzentrationslager zu „evakuieren“ und die Gefangenen im September 1944 ins KZ Stutthof im Gau Danzig-Westpreußen zu bringen. Der Täter-Begriff „evakuieren“ beinhaltete Abtransport oder Ermordung an den Häftlingen. Nicht transportfähige Häftlinge wurden erschossen. Insbesondere wurden Juden ermordet, die auch nur im geringsten Maße „straffällig“ geworden waren, oft auch Minderjährige und Menschen über 30 Jahre.

Am 24./25. September 1944 wurden nochmal 3155 Gefangenen nach Danzig verschifft, am 11. Oktober 1944 verließ ein letztes kleines Aufräumkommando das KZ.

Die Rote Armee befreite das Gelände am 13. Oktober 1944.

Quellen/Literatur:

  • Andrej Angrick, Peter Klein: Die „Endlösung“ in Riga. Ausbeutung und Vernichtung 1941–1944. (Gesamtdarstellung). Wissenschaftliche Buchgesellschaft (Reihe: Forschung), Darmstadt 2006
  • Franziska Jahn: Riga-Kaiserwald – Stammlager. In: Wolfgang Benz, Barbara Distel(Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 8: Riga, Warschau, Vaivara, Kaunas, Płaszów, Kulmhof/Chełmno, Bełżec, Sobibór, Treblinka. C.H. Beck, München 2008
  • Franziska Jahn: Das KZ Riga-Kaiserwald und seine Außenlager 1943–1944. Strukturen und Entwicklungen. Metropol, Berlin 2018
  • Bernhard Press: Judenmord in Lettland 1941–1945. 2., veränderte Auflage. Metropol, Berlin 1995

 

27. Januar - Internationaler Tag der Erinnerung und Gedenken der Opfer der europaweiten deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager

Teil 2

(Das Datum erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945, was das symbolische Ende des Holocausts markiert); 

In Litauen wurde das KZ Kauen aus dem Ghetto Kauen in der zweitgrößten Stadt Kaunas (jiddisch קאָוונע Kovne, russisch Ковно Kowno), im Stadtteil Vilijampolė, gebildet. Nachdem die Wehrmacht im Juni 1941 Litauen besetzt hatte, errichteten die deutschen Faschisten nach einer ersten Mordserie im Sommer 1941 das Ghetto Kauen zur Zwangsumsiedlung der noch überlebenden 30.000 Juden. Die SS wandelte es im August 1943 in das KZ Kauen um, mit zunächst noch 17.000 Juden. Es hatte 17 KZ-Außenlager. Ab 8. Juli 1944 wurde das KZ Kauen vor der näher rückenden Roten Armee geräumt. Diese traf am 1. August ein und fand noch 90 überlebende Juden vor.

Vom 24. Juni 1941 bis 1944 besetzte die faschistische Wehrmacht Kauen( Kaunas), das als Verwaltungseinheit unter dem „Reichskommissariat Ostland“ als Teil des Großdeutschen Reiches geführt wurde. Dieses umfasste die früheren baltischen Staaten Lettland, Litauen und Estland sowie den größten Teil des westlichen Belarus. Reichskommissar mit Sitz in Kauen und später in Riga war Hinrich Lohse.

Schon im Juni 1941 kam es zu von den deutschen Besatzungsbehörden unterstützten Pogromen, bei denen Tausende von Juden auf offener Straße erschlagen und später erschossen wurden. Dies geschah zum großen Teil durch Freiwillige der Litauischen Aktivistenfront. Es wird geschätzt, dass bereits bis Juli rund 10.000 Menschen ermordet wurden. Nach dem so genannten Jäger-Bericht vom Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD in Kaunas, Karl Jäger, der eine akribische Aufstellung aller von Juli bis November 1941 ermordeten Juden, Kommunisten und politischen Kommissare in Litauen und Belarus erstellte, wurden in dieser Zeit allein aus dem Ghetto Kauen weitere 15.000 Menschen ermordet. 

Bis zum 15. August 1941 wurden die 30.000 Juden in Kauen, die die erste Mordwelle überlebten, gezwungen, in das Ghetto Kauen, offiziell deutscher Sprachgebrauch "Jüdischer Wohnbezirk", zu ziehen.  Es war von einem Stacheldrahtzaun und litauischen Wachposten umgeben, die Tore wurden zusätzlich von deutschen Polizisten bewacht. Bis Ende Oktober 1941 wurden etwa 13.000 Ghettobewohner ausgesondert und im Fort IX erschossen. Ende März 1943 lebten noch etwa 16.000 Juden im Ghetto.

„Reichsführer SS“ Himmer befahl am 21. Juni 1943, das Ghetto Kauen in ein Konzentrationslager umzuwandeln. Sein Ziel war, der SS die Kontrolle über das Ghetto und den Arbeitseinsatz zu übergeben. Im August 1943 baute die SS den nordöstlichen Teil des Ghettos, das „große“ Ghetto, in das Konzentrationslager Kauen um („KL Kauen“), das „kleine“ Ghetto wurde nicht mehr benötigt. Am 15. September wurde die Verwaltung des Ghettos von der deutschen Zivilverwaltung offiziell an die SS übergeben. Die Bewachung des nun in ein Konzentrationslager umgewandelten Ghettos übernahm ab Herbst 1943 eine überwiegend aus Banatdeutschen bestehende Kompanie der Waffen-SS.

Im zweiten Halbjahr 1943 wurden acht KZ-Außenlager errichtet, um die Inhaftierten für Rüstungszwecke und auf Torffeldern Zwangsarbeit verrichten zu lassen. Krankheiten wie Typhus waren in diesen Lagern verbreitet, verursacht durch die beengten Lebensverhältnisse, mangelhafte Ernährung und Folgen der völligen Erschöpfung. Auch dort gab es Selektionen, willkürliche Erschießungen, Totschlag sowie körperliche Misshandlungen mit Lederpeitschen, Stahlstangen, Knüppeln und Äxten.

Ende 1943 mussten 60 KZ-Häftlinge im Fort IX drei Monate lang die bestatteten Leichen der Massenmorde wieder ausgraben und verbrennen. Nach ihrer Flucht Weihnachten 1943 berichteten sie den Häftlingen im KZ Kauen von 15 Massengräbern mit etwa 45.000 Opfern.

Bei der „Kinder- und Alten-Aktion“ am 27. und 28. März 1944 transportierten die deutsche SS und Ukrainer der Wlassow-Armee insgesamt 1000 Kinder und 300 alte Menschen wohl nach Auschwitz oder Majdanek. 

Als die Rote Armee am 1. August in Kaunas eintraf, fand sie in den Trümmern des ehemaligen Ghettos und Konzentrationslagers nur noch 90 Juden lebend vor.

In Erinnerung an das Ghetto Kauen befindet sich ein schlichter Gedenkstein am früheren Süd-Eingang an der A. Kriščiukaičio gatvė in Kaunas. 

Ab 1958 wurde im Fort IX in Kauen ein Museum eingerichtet und am 30. Mai 1959 eröffnet. Die Erforschung der Massengräber begann 1960.

Als Mahnmal für die Opfer des Holocaust wurde eine vom Bildhauer Alfonsas Vincentas Ambraziūnas konzipierte 32 Meter hohe Skulptur errichtet. Diese wurde im Rahmen des Gedenkkomplexes des Forts IX zusammen mit dem Museum am 15. Juni 1984 der Öffentlichkeit vorgestellt. Diese Gedenkstätte wurde zu einer der größten Europas.

Quellen/Literatur:

  1.  
    1. Trudi Birger, Jeffrey M. Green: Im Angesicht des Feuers: wie ich der Hölle des Konzentrationslagers entkam. Übs. von Christian Spiel. Piper-Verlag, München / Zürich 1990
    2. Zev Birger: Keine Zeit für Geduld. Mein Weg von Kaunas nach Jerusalem. Prospero Verlag, Münster / Berlin 2010 (Lebensweg des Zev Birger, der das Ghetto Kaunas als einziger seiner Familie überlebte)
    3. Solly Ganor: Das andere Leben. Kindheit im Holocaust. Übs. von Sabine Zaplin. Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1997
    4. Leib Garfunkel: Kovna ha-Yehudit be-Hurbana (deutsch etwa: die Zerstörung des jüdischen Kovno), Jerusalem 1959
    5. Raya Kruk: Lautlose Schreie. Berichte aus dunklen Zeiten. herausgegeben und mit einem Vorwort von A. H. Johansen, Fotos von Zwi Kadushin. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1999
    6. Riga-Kaiserwald, Warschau, Vaivara, Kauen (Kaunas), Płaszów, Kulmhof. Barbara Distel(Hrsg.): Der Ort des Terrors – Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 8. C. H. Beck, München
    7. Christoph Dieckmann: Deutsche Besatzungspolitik in Litauen 1941–1944. 2 Bände. Göttingen : Wallstein, 2011
    8. Joachim Tauber: Arbeit als Hoffnung: Jüdische Ghettos in Litauen 1941–1944, Berlin: De Gruyter, 2015
    9. vor 2000

27. Januar - Internationaler Tag der Erinnerung und Gedenken der Opfer der europaweiten deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager

Teil 3

Estland war seit 1941 von deutschen Truppen besetzt. Der Reichsführer SS Himmler ordnete am 21. Juni 1943 an, die verbliebenen Ghettos im Baltikum aufzulösen. Ein Großteil der arbeitsfähigen Juden sollte zur Ölschieferproduktion für die „Baltische Öl Gesellschaft m.b.H.“(Baltöl) eingesetzt werden, welche Anlagen der britischen New Consolida ed Gold Fields Ltd. in Kohtla übernommen hatte.

Das KZ Vaivara wurde am 19. September 1943 als Aufnahme- und Durchgangslager eröffnet. Lagerkommandant war über die gesamte Zeit des Bestehens des Konzentrationslagers Vaivara Hans Aumeier und Verwaltungsführer war Otto Brenneis. Diesem Konzentrationslager waren zeitweilig 27 Nebenlager unterstellt, darunter das KZ-Außenlager Klooga. Mehrere dieser Außenlager, intern als „Arbeitslager“ bezeichnet, waren gleich groß oder sogar größer als das Stammlager Vaivara. 

Insgesamt durchliefen über 20.000 Gefangene das Stammlager. Die meisten von ihnen wurden aus den Ghettos Vilnius und Kaunas dorthin verlegt, in vielen Fällen waren es ganze Familien und kleinere Gruppen deutscher und tschechischer Juden, die über Terezin nach Estland gebracht wurden; auch aus Riga und Ungarn trafen einzelne Gruppen ein. Im November 1944 wurde mit über 9200 Personen die Höchstzahl von Häftlingen für das gesamte Vaivara-Lagersystem registriert. 

Obwohl die Ausbeutung der Häftlinge, nicht aber die Tötung arbeitsfähiger Juden das Ziel war, kam durch unzureichende Ernährung bei elfstündiger Schwerarbeit, mangelhafte Hygiene und schlechte ärztliche Versorgung zwischen Oktober 1943 bis Juni 1944 im gesamten Vaivara-Lagerkomplex ein Sechstel der Lagerinsassen zu Tode. Kinder und Arbeitsunfähige wurden in besonderen Lagerteilen von Vaivara(später in Ereda) zusammengefasst. Im Februar 1944 wurden von dort rund 1100 arbeitsunfähige Personen, unter ihnen 184 Kinder, ins KZ Riga-Kaiserwald oder ins KZ Auschwitz geschickt; eine weitere Gruppe von 500 Häftlingen wurde im April 1944 von Ereda aus deportiert.

Im Oktober 1943 wurden schon elf Außenlager von Vaivara aus verwaltet, später waren es 21. Teilweise sind aus den Akten weitere Produktionsstätten der „Baltöl“ sowie der Organisation Todt(OT) bekannt, in denen Zwangsarbeiter eingesetzt waren, ohne dass jedoch an diesem Orte ein Nebenlager von Vaivara nachweisbar ist. Sicher mussten die dort eingesetzten Zwangsarbeiter täglich mehrstündige Anmarschwege zurücklegen.

Als Arbeitslager des KZ Vaivara werden genannt: Aseri, Auvere, Erides, Kohtla-Goldfields, Jewe, Kerestowo, Kiviõli, Klooga, Kunda, Kuremaa, Lagedi, Lodensee, Narwa-Hungerburg, Narwa, Putki, Reval, Sonda, Soski, Ülenurme und Wiwikond. 

Einige dieser Lager dienten nicht der Ölschiefergewinnung. In Klooga wurden Seeminen mit Betonmantel hergestellt, Häftlinge im Lager Narva bauten Befestigungsstellungen, Zwangsarbeiter einiger kleiner Lager führten Gleisbau- und Waldarbeiten aus.

Bei der Baltöl und den Ölschiefergewinnungsbetrieben der OT machten jedoch die jüdischen Zwangsarbeiter nur einen Anteil von unter 20 Prozent der Beschäftigten aus. Den Hauptteil der Arbeiter stellten sowjetische Kriegsgefangene, Umsiedler aus Russland sowie Zwangs- und Zivilarbeiter aus einer Reihe von anderen Ländern, darunter Frankreich und Holland. 

Der Großteil der Gefangenen des Konzentrationslagers Vaivara wurden beim Herannahen der Roten Armee zu Beginn des Kampfes um Narva am 4. Februar 1944 „evakuiert“. Der Fußmarsch nach Kohtla-Goldfields dauerte drei Tage; 44 Tote gab es bei diesem Todesmarsch. Bevor die Außenlager geräumt wurden, wurden nach einer Selektion im Juli 1944 etwa zehn Prozent der Häftlinge erschossen. Ein Teil der Häftlinge wurde später auf Schiffe verladen und in das KZ Stutthof und weiter nach Natzweiler verbracht.

Die in Vaivara verbliebenen Häftlinge wurden am 28. Juni 1944 durch die Rote Armee befreit. Die Zwangsarbeiter in den Lagern Lagedi und Klooga wurden im September 1944 von Erschießungskommandos der Waffen-SS und der Sicherheitspolizei umgebracht.

Konzentrationslager wie Klooga und Ereda wurden in der Nachkriegszeit Stätten, in denen der Opfer gedacht, zugleich auch die Befreiung durch sowjetische Truppen gefeiert wurde.

1967 ließen die örtlichen sowjetischen Behörden durch den estnischen Architekten Peeter Somelar ein Denkmal für die »Opfer des Faschismus« in Ereda errichten. Die russische und estnische Inschrift lautet: »Keiner ist vergessen. Nichts ist vergessen! Hier wurden in den Jahren 1943-1944 mehr als 2.000 Opfer des Faschismus hingerichtet, verbrannt und begraben. Ihre edlen Namen können wir an dieser Stelle nicht aufzählen: Zu viele befinden sich unter der ewigen Wacht des Granits. Aber keiner von ihnen und nichts wird vergessen werden«.

Im unabhängigen Estland kam es darüber zu einer Kontroverse. Auf Initiative einer amerikanischen Organisation wurden Gedenksteine ausschließlich für jüdische Opfer gesetzt.

Quellen/Literatur:

Ruth Bettina Birn: Vaivara-Stammlager / Außenlager. In: Wolfgang Benz, Barbara Distel(Hrsg.):Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 8: Riga, Warschau, Vaivara, Kaunas, Płaszów, Kulmhof/Chełmno, Bełżec, Sobibór, Treblinka. C.H. Beck, München 2008

 „Über den Stand bisheriger Auf- und Ausbauarbeiten der Baltischen Öl GmbH“ berichtet Oeckl Albert am 17. Januar 1944 an den Nazi-Ökonom und Europa-Strategen Gustav Schlotterer, in: Leben und berufliche Tätigkeit Albert Oeckls bis 1945, VS Verlag 2006

 

Ruth Bettina Birn: Vaivara-Stammlager. Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Bd. 8, München 2008

Neueste Nachrichten

Themenschwerpunkte

Kinderdenkmal in Lidicé braucht unsere Unterstützung

Tschechoslowakische Widerstandskämpfer verübten am 27. Mai 1942 ein erfolgreiches Attentat auf Reinhard Heydrich, Leiter des Reichssicherheitshauptamtes. Die faschistischen Besatzer reagierten mit massiven Vergeltungsmaßnahmen.

Am Abend des 9. Juni 1942 umstellten deutsche Polizeikräfte den Ort. Alle 172 Männer, die älter als 15 Jahre waren, wurden am Morgen des 10. Juni erschossen, 195 Frauen wurden, nachdem sie in einer Turnhalle in Kladno von den Kindern getrennt worden waren, in das KZ Ravensbrück deportiert, wo 52 von ihnen ermordet wurden. Sechs Schwangere wurden nach Prag gebracht, nach der Entbindung von ihren Neugeborenen getrennt und ebenfalls ins KZ Ravensbrück deportiert. Lidice wurde in Brand gesteckt, gesprengt und dann eingeebnet.

Nach der Trennung von ihren Müttern wurden die Kinder in ein Lager nach Litzmannstadt verbracht.  82 Kinder wurden vergast sowie sieben zwecks Germanisierung in ein Lebensborn-Heim gesteckt.

Zur Erinnerung und Mahnung wurde eine Bronzegruppe mit den Abbildern der 82 Kinder von der Bildhauerin Marie Uchytilová geschaffen.

Für den Erhalt und einer notwendigen Restaurierung  des Denkmals werden Spenden eingeworben.

Post aus Lidice(Auszug): 

Wir freuen uns stets über Unterstützung und sind sehr dankbar, wenn Sie unser Vorhaben, das Kinderdenkmal zu restaurieren finanziell unterstützen. Wir haben auch einen Bankaccount bei der Česká národní banka, wo Gelder auch in Euro überwiesen werden können:

Pamatnik Lidice

IBAN: CZ96 0710 0000 0000 0133 4141

BIC: CNBACZPP

Kinderdenkmal

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen und nochmals vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Mit herzlichen Grüßen

Eduard Stehlík

PhDr. Eduard Stehlík, Ph.D., MBA

Der Iran steht auf gegen den islamischen Faschismus

Tag 23. der Iranischen Revolution

mit Goldie Ghamari, Armin Navabi und Mahyar Tousi

Unsere Termine

Kranzniederlegung im Park der Opfer des Faschismus am 27. Januar, 10 Uhr

27.01.2026 10:00 - 11:00

Chemnitz gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus           Kranzniederlegung im Park der Opfer des Faschismus am 27. Januar, 10 Uhr Anlässlich des bundesweiten [...]

Mehr

Buch „Goodbye, Amerika? Die USA und wir – eine Neuvermessung“

31.01.2026 19:00 - 21:00

Am Samstag, 31. Januar, 19 Uhr gibt es dann die erste Abendveranstaltung: Die USA-Expertin Rieke Havertz, Redakteurin von „Die Zeit“ und Zeit online, ist mit ihrem Buch [...]

Mehr

Das Recht, in Frieden zu leben

07.02.2026 19:00 - 07.03.2026 21:00

Sa., 7. Februar 2026, 19 UhrNeue Sächsische Galerie(TIETZ, Moritzstr. 20, 09111Chemnitz)Das Recht, in Frieden zu leben KONZERT  zur Erinnerung an Víctor Jara und [...]

Mehr

Unvergessen - Friedrich Marschner

Stolpersteine mahnen auch in Chemnitz

Geschichtsbaustelle Chemnitz - Ein Zeitzeugenprojekt

Offener Prozess - Ein Dokumentsprozess zum NSU-Komplex

Die Webmaster Kolumne

Der Kampf gegen den Islamofaschismus

Liebe Kameraden und Kameradinnen,

wir leben in unruhigen und historischen Zeiten. Wir als VVN BdA Chemnitz und der VVN BdA haben dabei auch eine besondere Verpflichtung im Kampf gegen den weltweiten Faschismus. Diese Verpflichtung möchte ich mit unserer Website nachkommen. Einerseits werde ich täglich unsere Helden des Widerstandes würdigen. Andererseits werde ich in diesen Zeiten auf den Islamischen Faschismus, die Muslim Brotherhood und ihre Helfershelfer in den Staaten der westlichen Welt hinweisen und hinter die Kulissen schauen. Deshalb möchte ich Euch über die im Iran stattfindende Revolution und den Islamischen Faschismus insbesondere die Hamas informieren. Deshalb habe ich die Videos von Iranern im Ausland und auch einen Verweis auf das größte Verbrechen seit dem Holocaust an den Juden und dem jüdischen Staat- Israel - online gestellt. Diese Bilder zeigen den Islamischen Faschismus in ihrer menschenverachtendes Form seit dem Holocaust. Ich habe mich in den letzten Jahren besonders mit diesem Ereignis befasst, da mir am 8. Oktober 2023 von sog. Linken, Marx21, AGR und den Trotzkisten, mitgeteilt wurde, die Juden seien doch selber Schuld seit dem Theodor Herzl in seiner Niederschrift “Der Judenstaat” einen eigenen Staat für die Juden gefordert hat. 

Ich freue mich auf Eure Beiträge und die Diskussion in unserem zukünftigen Blog, 

(A.K.)

 

"Die USA wollen nur Öl", sagen sie...

Venezuela verfügt über die größten festgestellten Ölsreserven der Welt. Wenn Öl das Problem wäre, sollte das Land reich sein. Stattdessen brach die Produktion zusammen, die Infrastruktur verfaulte und die Nation implodierte. 

In den letzten 25 Jahren haben China, Russland, der Iran und Kuba - nicht die USA - Venezuelas Öl, durch Schulden-für-Ölgeschäfte erhalten, Vermögenswerte beschlagnahmt und ein autoritäres Regime unterstützt. Allein China hat Venezuela mit zig Milliarden durch Öl abgesicherte Kredite abgeschöpft, die den Venezolanern wenig bis gar keine echten Einnahmen brachten. Russland und der Iran hielten das Regime über Wasser. Kuba hat  Sicherheits- und Geheimdienste im Austausch für subventioniertes Öl bereitgestellt. 
Vor Chavez und Maduro verkaufte Venezuela den größten Teil seines Öls an die Vereinigten Staaten - das Land war viel stabiler und wohlhabender. Der Zusammenbruch begann Jahre vor US-Ölsanktionen, die verhängt wurden, nachdem die einheimische Erdölindustrie (PDVSA) verstaatlicht, Wahlen gefälscht und die Zivilgesellschaft  zerschlagen wurde.  

Das war kein “Anti-Imperialismus”. Es war eine autoritäre Entnahme. 
Mehr als 8 Millionen Venezolaner waren gezwungen, aus ihrem Land zu fliehen. 
Der Ölreichtum ist nicht verschwunden- er wurde von Regimen und ausländischen Gönnern ausgenutzt. 

Anti-amerikanische Parolen sind einfach. Fakten sind schwieriger. 

Quelle: Instagram thatlatinzionist

https://www.reuters.com/business/energy/venezuelan-oil-industry-worlds-largest-reserves-decaying-infrastructure-2026-01-03/

www.eia.gov/international/content/analysis/countries_long/Venezuela/

www.eia.gov/international/content/analysis/countries_long/Venezuela/pdf/venezuela_2024.pdf

www.cfr.org/backgrounder/venezuela-crisis

www.congress.gov/crs-products/product/pdf/R/R44841

www.reuters.com/world/americas/venezuelas-oil-output-collapses-years-mismanagement-2023-11-15/

www.unhcr.org/venezuela-emergency.html

www.iom.int/venezuela-migration

Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis

Gedenkstätte Konzentrationslager Sachsenburg

Buchankündigung: Wie Lämmer zur Schlachtbank?

Am nachfolgend vorgestellten Buch arbeiteten auch Mitglieder unseres Vereines mit. Wir möchten es an dieser Stelle gerne mittels der Verlagsankündigung vorstellen:

Bertram Seidel, Gabriele Seidel, Enrico Hilbert (Hrsg.)
Wie Lämmer zur Schlachtbank?
Jüdischer Widerstand und Verweigerung aus der jüdischen Bevölkerung in Sachsen gegen da NS-Regime 1933-1945

Das Buch erhebt hinsichtlich der erörterten Thematik weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf theoretischen Tiefgang. Ihr Hauptanliegen besteht vielmehr darin, anhand des Verhaltens konkreter Personen einen Eindruck vom Ausmaß resistenten Handelns aus der jüdischen Bevölkerung eines räumlich klar definierten Territoriums des Deutschen Reiches gegen das Herrschaftssystem der Nazis zu vermitteln und damit der in verschiedenen Milieus noch immer stark verbreiteten Pauschalansicht, die Juden hätten sich nich gegen das Hitlerregime und damit gegen ihr Verderben gewehrt, handfeste Tatsachen entgegenzusetzen. Bekanntlich wurde dieser Aspekt der Holocaust-Gesamtthematik zumindest im deutschsprachigen Raum über lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt und darüber hinaus von einigen Historikern wie beispielsweise Raul Hilberg in seiner 1992 erschienenen Publikation „Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933 bis 1945“ in der Vergangenheit auch verzerrt dargestellt.

Interessierte können das Buch direkt beim Verlag bestellen. >>> https://www.edition-av.de/

NS-Terror und Verfolgung in Sachsen

Dr. Hans Brenner und seine 50 Mitstreiter haben ein umfangreiches Werk über die Anfänge der Konzentrationslager in Sachsen vorgelegt.

Die Neuerscheinung der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung wirft ein neues Licht auf die Zeit der Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 in Sachsen. Zu den Themen zählen das System der Frühen Konzentrationslager von 1933 bis 1937 (mit mindestens 80 sächsischen Städten und Gemeinden), die politischen Prozesse gegen Gegner des NS-Systems, Opferschicksale aus den verschiedenen Verfolgten-Gruppen und die als Todesmärsche bezeichneten Evakuierungsmärsche aus Konzentrationslagern und deren Außenlagern ab Herbst/Winter 1944 über sächsisches Territorium. 

Mit einem umfangreichen Datenanhang und vier thematischen Karten liefert das Buch neuestes Forschungsmaterial für die sächsische Heimat- und Landesgeschichte.

Brenner, Hans / Heidrich, Wolfgang / Müller, KlausDieter / Wendler, Dietmar (Hrsg.) NS-Terror und Verfolgung in Sachsen.
Von den Frühen Konzentrationslagern bis zu den Todesmärschen Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Dresden 2018, 624 S

Von Leipzig über Waldheim nach Buchenwald vom Anarchosyndikalisten zum Kommunisten

Erinnerungnen von Richard Thiede (1906 - 1990) Herausgegeben von Gert Thiede 

Zu diesem Bericht Im Januar 1984, mit bereits 78 Jahren, hat mein Vater versucht, sein persönliches Leben schriftlich festzuhalten.
Sein Ziel war es, die Erinnerungen einmal in einer Schrift zusammenzufassen und der Öffentlichkeit oder einem Museum zur Verfügung zu stellen. Dabei kam es ihm vor allem darauf an, die in Zeiten politischer Engstirnigkeit mancher Funktionäre, ihre abwertende und abweisende Einschätzung zum Wirken der Freien-Arbeiterunion-Deutschlands (FAUD) in der Betrachtung der Arbeiterbewegung richtig zu stellen. ....