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Justin Sonder -Auschwitz-Überlebender

„Am 18. Januar 1945, am Nachmittag, erfuhren wir beim Zählappell des KZ Auschwitz III-Monowitz, dass wir evakuiert werden. Eine halbe Stunde danach wurden wir, etwa 7000 

Häftlinge, begleitet von der schwer bewaffneten SS-Wachmannschaft, auf Marsch gesetzt. Etwa 1.000 oder auch 2.000 Kranke und schwer Verwundete blieben im Lager zurück. Man trieb uns zur 
Eile an, denn die Geschützfeuer der sich nahenden Roten Armee sahen wir in der Nacht. Häftlinge, die nicht mehr laufen konnten, wurden erschossen. Am Abend des 19. Januar kamen wir im verlassenen KZ 
bei Gleiwitz (Gliwice) an und hatten eine geschützte Unterkunft. Am nächsten Morgen marschierten wir zumGüterbahnhof Gleiwitz. Dort stand ein langer Zug 
mit etwa 100 offenen Kohlewaggons. Die nun weniger 
als 7000 Häftlinge wurden in die Waggons gepfercht. 
Es gab keine Sitzgelegenheit und die schwachen 
Körper hatten kaum Körperwärme zum gegenseitigen 
Schutz vor Kälte. Wenn ein Schneeschauer 
kam, haben wir mit unseren Schüsseln die Schneeflocken 
aufgefangen und leckten dann die Tropfen vom 
Blech. 
Durch Kälte, Hunger und Durst sowie physische Erschöpfung sackten viele Häftlinge zu


sammen, das Herz hörte einfach auf zu schlagen und die Körper wurden steif. Die toten 

Kameraden wurden aus dem Zug geworfen. Das mag heute makaber klingen, aber es war 

eine Chance für uns vielleicht zu überleben. Der Tod war damals bei uns allgegenwärtig und 

der Überlebenskampf unter den Häftlingen war gewollt. 
Wir fuhren zunächst in südlicher Richtung und sollten ins KZ Mauthausen gebracht werden. 
Dieses KZ war aber überfüllt, sodass der Zug wieder nach Norden durch die damalige 
Tschechoslowakei fuhr. In Tetschen (Decin) sah ich die zugefrorene Elbe und erinnere mich 
an einen besonders bestialischen Zwischenfall. Der Transportführer, SS-Hauptscharführer 

Bernhard Rakers, ließ einige Waggons öffnen und holte völlig wahllos ein Dutzend Häftlinge 
heraus. Diese mussten sich mit dem Gesicht nach unten auf dem Bahnsteig legen. Er zog 
seine Pistole und ermordete sie mit Genickschuss. Der Zug fuhr dann weiter durch Sach


sen bis zum KZ Sachsenhausen. Unterwegs wurden weiterhin verstorbene Häftlinge aus 
den Waggons geworfen. Dort kamen 3800 Häftlinge völlig entkräftet an. Die Anderen waren 
unterwegs „Verloren gegangen“, wie es im SS-Jargon hieß.“ 
Justin Sonder, Ehrenbürger von Chemnitz