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Mediziner, "Rassenschänder", Interbrigadist...?

"War Konstantin Seiderts Erstlingswerk, ‘Sächsisches Provinztheater’ .- ein Heimatroman - bezüglich des Landarztes (Hans Serelman) geprägt von der Dankbarkeit des Autors, der vermutlich dem selbstlos fürsorglich handelnden

Mediziner seine eigene Existenz schuldet, liegt nun ein Buch voller Hochachtung vor uns, mit dem er eine weltumspannende Forschungsarbeit über den jüdischen Arzt, kommunistischen Kämpfer der Internationalen Brigaden und der Resistance vorerst abschließt. 

Dass ihn diese Biographie gänzlich loslassen wird, bleibt glücklicherweise nicht zu erwarten, dazu ist in den letzten fünfzehn Jahren zu viel geschehen., um es ad acta legen zu können. Es sind Freundschaften entstanden, die sich fortsetzen ließen, es sind Fragen aufgetaucht, die einer Antwort bedürfen, und es haben sich Zusammenhänge und Fakten offenbart, die es wert sind, veröffentlicht zu werden. 

Und schließlich ist da noch der Traum, dass dieser geschichtsträchtig Stoff einmal zu einem Drehbuch für einen Kinofilm werden wird. "

Enrico Hilbert, Chemnitz

Gedenken zum 9. November 2026 und Stolpersteinverlegung

Ukrainer dienten freiwillig in der galizischen SS-Division im Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion und werden heute ganz offiziell und öffentlich geehrt

Ukrainische Freiwillige und sogenannte Volksdeutsche dienten ab 1943 in der 14. Waffen-Grenadier-Division der SS und beteiligten sich aktiv am Vernichtungsfeldzug der deutschen Faschisten im Osten.

Im Dezember 1943 betrug die Stärke der SS-Division 12.634 Mann, im Juni 1944 bereits 15.299 Mann und im Dezember 1944 22.000 Mann. Sie wurde auf dem Balkan, an der Ostfront, in Polen und der Tschechoslowakei eingesetzt. Die Angehörigen der SS-Division stammten aus dem Raum Lwiw (deutsch Lemberg, russisch Lwow). Ab Juli 1943 wurden sieben Regimenter der SS-Freiwilligen-Division Galizien zu je 2000 Mann aufgestellt. Am 18. Juli 1943 wurden die Freiwilligen vom Distriktgouverneur Dr. Otto Gustav Wächter(ab Mai 1944 im Rang eines SS-Gruppenführers und Generalleutnant der Polizei) begrüßt. Der Kreishauptmann von Sanok Johann Anton Hofstetter (Regierungsrat) rief im Mai 1943 öffentlich zum Eintritt in die SS-Galizien auf. Bereits Anfang 1944 wurde die etwa 2000 Mann starke „Kampfgruppe Beyersdorff“ herausgelöst, die beim Kampf gegen polnische Partisanenverbände helfen sollte und dabei mehr als 1500 Zivilisten folterte und ermordete, bevor sie wieder zum Rest der Einheit stieß. 

Von polnischen und amerikanischen Historikern werden der SS-Division eine Reihe Verbrechen zugerechnet, die jedoch noch immer nicht vollständig gesichert sind. Als bewiesen gilt die Beteiligung der "Kampfgruppe Beyersdorff" an Massakern:

Huta-Pieniacka am 28. Februar 1944 - alle Bewohner des  Dorfes wurden ermordet und das gesamte Dorf geplündert und niedergebrannt;

Pidkamin am 12. März 1944 - bis zu 1.000 polnischen Zivilisten wurden Opfer;

Palikrowy am 12. März 1944 - mindestens 365 Menschen wurden erschossen.

Im April 1945 wurde die SS-Division als 1. Division der Ukrainischen National-Armee neu formiert und dem ukrainischen Nationalkomitee unter den Befehl von Pawlo Schandruk gestellt, in Österreich stationiert und auf die Ukraine vereidigt. Am 8. Mai 1945 ergab sich die Division den britischen Truppen. Da die Mehrzahl der Soldaten aus Galizien stammten, galten sie als polnische Staatsbürger und wurden nicht an die Sowjetunion ausgeliefert.

Die Ukraine und im Westen gedenkt man der Waffen-SS-Division-Galizien und deren Kriegsverbrecher

Jaroslaw Hunka: 2023 wurde er vom kanadischen Unterhaus mit stehenden Ovationen als ukrainisch-kanadischer Veteran des Zweiten Weltkriegs gewürdigt, der für die ukrainische Unabhängigkeit „gegen die Russen“ gekämpft habe. Auch der Premierminister und der ukrainische Präsident schlossen sich an. 

Beifall der deutschen Botschafterin, Sabine Sparwasser, im Rahmen der Ehrenbekundung im Parlament des NATO-Verbündeten Kanada, insbesondere nachdem Parlamentspräsident Anthony Rota diesen als Kämpfer "der ukrainischen Unabhängigkeit gegen die Russen im Zweiten Weltkrieg" sowie als "einen ukrainischen Helden, einen kanadischen Helden" vorgestellt und "für all seine Dienste" gedankt hatte.

Fans des westukrainischen Fußballclubs Karpaty Lwiw zeigten 2013 zum 70-jährigen Jubiläum der Einheit ein Banner mit dem Abzeichen der Division „Galizien“.

Nationalistische ukrainische Gruppen entwickelten nach dem Zweiten Weltkrieg ein Narrativ, das die Organisation Ukrainischer Nationalisten, die Ukrainische Aufständigenarmee und ihrer Führer heroisierte und gleichzeitig Faschismus und Verbrechen bei ihnen abstritt. Diese Sicht schloss auch die SS-Division „Galizien“ ein und erhielt in der Ukraine unter Präsident Juschtschenko einige Förderung.

Das von 2014 bis 2019 von Volodymyr Viatrovych geleitete Ukrainische Institut für nationales Gedenken vertritt eine ähnliche Sicht und beeinflusst damit die Geschichtswahrnehmung in der ukrainischen Gesellschaft nach den faschistischen Ausschreitungen auf dem Maidan und dem gewaltsamen Umsturz. So wird die SS-Division-Galizien heute von Ukrainern aus dem nationalistischen, aber auch dem bürgerlichen Spektrum vor allem in Galizien positiv gesehen und verehrt.

In der Stadt Lwiw findet organisiert von der nationalistischen Gruppierung „Autonomer Widerstand“ seit 2010 jährlich am 28. April eine Parade zu Ehren der SS-Division-Galizien statt, bei der neben Veteranen auch Vertreter anderer nationalistischer Organisationen teilnehmen.

In den Städten Iwano-Frankiwsk und Ternopil wurde jeweils eine Straße nach der SS-Division-Galizien benannt. Am 23. Juli 2017 fanden in Tscherwone eine Gedenkandacht und eine feierliche Umbettung gefallener Soldaten der SS-Division-Galizien statt, an der u. a. Veteranen und Vertreter der staatlichen Gebietsverwaltung teilnahmen. Statisten und Veteranen trugen dabei Uniformen der Division.

Am 23. September 2020 entschied der Oberste Gerichtshof der Ukraine, dass die Symbole der SS-Division- Galizien nicht mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht würden und daher im Land nicht verboten werden können.

In mehreren Städten Österreichs, wo die 14. Waffen-Grenadier-Division der SS (galizische Nr. 1) an Kampfhandlungen teilnahm, wurden Denkmäler mit deren Abzeichen errichtet. Verschwiegen wurde dabei, dass es sich hierbei um eine an Kriegsverbrechen beteiligte SS-Division handelt

Auf dem Friedhof des Ortes Bad Gleichenberg befindet sich ein Denkmal, das den „gefallenen Söhnen der Ukraine“ gewidmet ist. Darauf zu sehen sind auch zwei Löwen, die dem Abzeichen der SS-Division entlehnt sind.

An der Mauer der Pfarrkirche Bierbaum am Auersbach ist ein Kriegerdenkmal angebracht mit der Inschrift: „Dem steten Gedenken der für die Freiheit in Kameradschaft gefallenen Söhne der Ukraine und der Steiermark gewidmet.“ In dominierender Größe ist weiters als Zeichen der Einheit der galizische Löwe angebracht.

Auf dem Friedhof des Ortsteils Trautmannsdorf wird der Division gedacht, wobei an dieser Stelle die Bezeichnung „Ukrainische National-Armee“ verwendet wird – eine Bezeichnung, die die Division in den letzten 14 Tagen vor der Kapitulation 1945 trug. Auch hier wird das Abzeichen der Division verwendet.

In der Stadt Feldbach  wird der Division „Galizien“ für ihre Beihilfe im Abwehrkampf gegen die Rote Armee gedacht. Am Pfarrplatz befindet sich ein 1981 offiziell enthülltes Denkmal für die „1. Division der Ukrainischen National-Armee“ – eine Bezeichnung, welche die Division in den letzten 14 Tagen vor der Kapitulation 1945 trug. Darauf abgebildet war auch das originale Verbandsabzeichen der SS-Einheit. In der Alten Pfarrkirche erinnert seit 1954 eine Gedenktafel an die Angehörigen der Division. Im Januar 2018 wurden die umstrittenen Abzeichen von den Denkmälern entfernt.

Auf dem örtlichen Friedhof von Gnas errichtete das Österreichische Schwarze Kreuz  ein Denkmal, auf dem das Abzeichen der SS-Division-Galizien abgebildet ist.

Auf dem ukrainisch-katholischen Friedhof Saint Mary’s in Elkins Park, einem Vorort von Philadelphia, steht ein Kreuz, das der Division gewidmet ist. Das American Jewish Committee erklärte, das Denkmal solle entfernt werden.

Ein weiteres Denkmal steht in Warren, einem Vorort von Detroit, an der Seite eines Gebäudes der ukrainischen Kreditgenossenschaft. Der Bürgermeister der Stadt, James R. Fouts, erklärte, nachdem er über das Denkmal informiert worden war, dass: „Es besteht nicht die geringste Chance, dass wir so etwas unterstützen würden.“

Auf dem ukrainischen Sankt-Wladimir-Friedhof in Oakville befindet sich ein Ehrenmal mit dem Emblem der SS-Division. Der kanadische Verein der Freunde des Simon Wiesenthal Zentrums hat wiederholt die Entfernung dieses Denkmals gefordert bis im März 2024 dieses Denkmal tatsächlich entfernt wurde.

Ein weiteres Denkmal steht trotz mehrmaliger Proteste und Vandalenakte noch am St. Michaels Friedhof in Edmonton.

Literatur/Quellen:

Rolf Michaelis: Die Grenadier-Divisionen der Waffen-SS. Michaelis, Erlangen 1994

Rolf Michaelis: Ukrainer in der Waffen-SS. Die 14. Waffen-Grenadier-Division der SS (ukrainische Nr. 1). Winkelried-Verlag, Dresden 2006

Rolf-Dieter Müller: An der Seite der Wehrmacht. Hitlers ausländische Helfer beim "Kreuzzug gegen den Bolschewismus" 1941–1945. München 2007

Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939-1945, 2. Auflage. Band 3: Die Landstreitkräfte 6–14. Biblio-Verlag, Bissendorf 1974

Wikipedia

 

Neueste Nachrichten

Antifaschistische Erinnerungs-, Gedenk- und Aufklärungsarbeit bedarf dringend ganz persönliches Engagements und finanziellen Zuspruchs

Die Arbeit der Mitglieder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregiems und Bund der Antifaschisten(VVN-BdA) steht auch in Chemnitz ganz im Zeichen der Verwirklichung des Schwures der Buchenwaldhäftlinge und der Opfer des Faschismus:

"Wir werden den Kampf erst aufgeben, wenn der letzte Schuldige vom Gericht aller Nationen verurteilt ist. – Die endgültige Zerschmetterung des Nazismus ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ideal."

Unsere Arbeit umfasst Forschungs-, Gedenk- und Pflegearbeit für Chemnitz sowie im Umland. Ihren Niederschlag findet diese u.a. in eigenständigen Publikationen, Ausstellungen sowie Veranstaltungen über Widerstandskämpfer und Verfolgte des faschistischen Regimes sowie einer aktiven Unterstützung für die Verlegung von "Stolpersteinen". Schwerpunkt ist auch die Unterstützung der Arbeit der Gedenkstätte über eines der ersten Konzentrationslager in Deutschland in Sachsenburg bei Frankenberg.

Hierfür suchen wir weitere Mitsteiterinnen und Mitstreiter und möchten Sie ganz herzliche dazu einladen.

Wir würden uns auch über eine Spende zur Finanzierung künftiger Forschungs- und Erinnerungsprojekte

freuen.

Unsere Spendenkonten: 

VVN-BdA Ortsverband Chemnitz 

DE12870500007004464 

VVN-BdA Stolpersteine 

DE10870500003557006246 

 

Unsere Termine

Stolpersteinverlegung am 5. November 2026

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Sehr geehrte Frau Wagner,
es ist mittlerweile zu einer festen Tradition in unserer Stadt geworden, mit der Verlegung von
Stolpersteinen an ehemalige Bürgerinnen und Bürger zu erinnern, die während des
nationalsozialistischen Regimes tragische Schicksale erlitten haben.

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Gedenkveranstaltung für die Opfer der Reichspogromnacht 1938

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Sehr geehrte Damen und Herren,im Gedenken an die Opfer der Pogromnacht vom 9. November 1938 und an die während derfaschistischen Gewaltherrschaft ermordeten sechs [...]

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Unvergessen - Friedrich Marschner

Stolpersteine mahnen auch in Chemnitz

Geschichtsbaustelle Chemnitz - Ein Zeitzeugenprojekt

Gedenkstätte Konzentrationslager Sachsenburg

Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis

Offener Prozess - Ein Dokumentsprozess zum NSU-Komplex

NS-Terror und Verfolgung in Sachsen

Dr. Hans Brenner und seine 50 Mitstreiter haben ein umfangreiches Werk über die Anfänge der Konzentrationslager in Sachsen vorgelegt.

Die Neuerscheinung der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung wirft ein neues Licht auf die Zeit der Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 in Sachsen. Zu den Themen zählen das System der Frühen Konzentrationslager von 1933 bis 1937 (mit mindestens 80 sächsischen Städten und Gemeinden), die politischen Prozesse gegen Gegner des NS-Systems, Opferschicksale aus den verschiedenen Verfolgten-Gruppen und die als Todesmärsche bezeichneten Evakuierungsmärsche aus Konzentrationslagern und deren Außenlagern ab Herbst/Winter 1944 über sächsisches Territorium. 

Mit einem umfangreichen Datenanhang und vier thematischen Karten liefert das Buch neuestes Forschungsmaterial für die sächsische Heimat- und Landesgeschichte.

Brenner, Hans / Heidrich, Wolfgang / Müller, KlausDieter / Wendler, Dietmar (Hrsg.) NS-Terror und Verfolgung in Sachsen.
Von den Frühen Konzentrationslagern bis zu den Todesmärschen Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Dresden 2018, 624 S

Buchankündigung: Wie Lämmer zur Schlachtbank?

Am nachfolgend vorgestellten Buch arbeiteten auch Mitglieder unseres Vereines mit. Wir möchten es an dieser Stelle gerne mittels der Verlagsankündigung vorstellen:

Bertram Seidel, Gabriele Seidel, Enrico Hilbert (Hrsg.)
Wie Lämmer zur Schlachtbank?
Jüdischer Widerstand und Verweigerung aus der jüdischen Bevölkerung in Sachsen gegen da NS-Regime 1933-1945

Das Buch erhebt hinsichtlich der erörterten Thematik weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf theoretischen Tiefgang. Ihr Hauptanliegen besteht vielmehr darin, anhand des Verhaltens konkreter Personen einen Eindruck vom Ausmaß resistenten Handelns aus der jüdischen Bevölkerung eines räumlich klar definierten Territoriums des Deutschen Reiches gegen das Herrschaftssystem der Nazis zu vermitteln und damit der in verschiedenen Milieus noch immer stark verbreiteten Pauschalansicht, die Juden hätten sich nich gegen das Hitlerregime und damit gegen ihr Verderben gewehrt, handfeste Tatsachen entgegenzusetzen. Bekanntlich wurde dieser Aspekt der Holocaust-Gesamtthematik zumindest im deutschsprachigen Raum über lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt und darüber hinaus von einigen Historikern wie beispielsweise Raul Hilberg in seiner 1992 erschienenen Publikation „Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933 bis 1945“ in der Vergangenheit auch verzerrt dargestellt.

Interessierte können das Buch direkt beim Verlag bestellen. >>> https://www.edition-av.de/