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Resümee der Studie zu den Bahntransporten

Trotz der Bombardierung Chemnitz am 05./06. März 1945, die auch Einrichtungen 
der Deutschen Reichsbahn und besonders den Hauptbahnhof in Mitleidenschaft gezogen 
hatte, wurde immer wieder der Durchgangsverkehr der Züge hergestellt. 

Durch sächsisches Territorium -so ist der gegenwärtige Stand der Forschungen leitete 
die Deutsche Reichsbahn im Winter/Frühjahr 1945, mehr als 50 Züge mit mindestens 
65.000 Häftlingen auf den genannten Strecken. 18 Züge fuhren durch Chemnitz. 
Der Transport der Häftlinge fand unter unmenschlichen Bedingungen statt. 

Die deutsche Bevölkerung nahm diese Transporte kaum wahr, und es ist auch ebenso 
wenig bekannt, dass Bahnangestellte versuchten, die Not und das Leiden der Häftlinge 
zu lindern. Zu diesen Transporten aus den Außen-und Hauptlagern der Konzentrationslager 
kamen noch die Deportationen der jüdischen Bevölkerung aus den sächsischen 
Städten hinzu. Die Anzahl der Züge, die Theresienstadt (Terezín) zum Ziel hatten, ist 
auch hier nicht exakt zu ermitteln. Ebenfalls transportierte die Bahn Kriegsgefangene 
und Zwangsarbeiter aus den besetzten Ländern in nicht bekannter Zahl durch Sachsen. 

Die Nachfolgerin der Deutschen Reichsbahn, die heutige Deutsche Bahn-AG – nach 
eigenem Verständnis keine Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn – tut sich schwer damit, 
die Rolle ihrer Vorgängerorganisation im „Dritten Reich“ wissenschaftlich aufzuarbeiten, 
die Mitschuld der Reichsbahn an den Verbrechen der Nationalsozialisten zu benennen 
und sich an Wiedergutmachungen gegenüber den Opfern in angemessener Weise zu 
beteiligen. 

Eine wissenschaftliche Studie zur Rolle der Reichsbahn bei verschiedenen Verbrechenskomplexen 
des NS-Regimes fehlt bis heute. An der von der Bundesregierung angeschobenen 
Stiftung Erinnerung – Verständigung – Zukunft (allgemein bekannt unter Zwangs-
arbeiter-Stiftung) hat sich die Bahn-AG mit gut fünf Millionen Euro beteiligt. Aus dieser 
Summe wurden zum Beispiel auch die Zwangsarbeiter entschädigt, die bei der Reichsbahn 
während des Zweiten Weltkriegs beschäftigt waren. Die Opfer beziehungsweise 
Hinterbliebenen der Opfer von Eisenbahntransporten in Vernichtungslager, in Konzentrationslager 
oder bei der Evakuierung der Konzentrationslager und ihrer Außenlager 
sind bisher nicht entschädigt worden. 

Auf die Rolle jüdischer Kinder bei den Bahntransporten hat ein privates Projekt „Zug 
der Erinnerung“ aufmerksam gemacht, dem sich die Bahn schließlich anschloss. Aber 
immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Projektträger und der 
Bahn. Es ging oft um die Finanzierung, Erhebung von Streckengebühren sowie Standzeiten auf den Bahnhöfen. 

Vor der Wiedervereinigung gab es keine nennenswerte Aufarbeitung der Rolle der NS-
Reichsbahn durch die Deutsche Bundesbahn im Westen beziehungsweise die Reichsbahn 
in der DDR. 

Mit unseren Forschungen haben wir noch nicht alle Quellen für eine lückenlose Aufklärung 
der Verbrechen der Nazis im Zusammenhang mit Chemnitz erschlossen. Zeit und 
Kraft sind erforderlich, um weitere Beweise der menschenverachtenden Ideologie der 
Nazis besonders der Verbrechen in den letzten Kriegsmonaten, die hier in Chemnitz 
von den Nazis und unter Mithilfe von Teilen der Bevölkerung wissentlich und unwissentlich 
begangen wurden, darzustellen.