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Die Astra-Werke AG -Handlanger der Faschisten

Zwischen Oktober 1944 und April 1945 befand sich im Gelände der Astra-Werke AG, Altchemnitzer Straße 41, ein Außenkommando des KZ Flossenbürg. 510 Frauen und Mädchen, vor allem Russinnen, Polinnen und Italienerinnen, mussten hier Zwangsarbeit für die deutsche Rüstungsindustrie leisten. Sie litten unter den Schikanen der SS-Aufseherinnen, der schlechten Unterbringung und Verpflegung sowie den harten Arbeitsbedingungen. Heute ist kaum noch vorstellbar, unter welchem seelischen Druck, welchen Demütigungen und körperlichen Belastungen die weiblichen KZ-Häftlinge leiden mussten. 
Dem Betrieb wurdeindenAnkündigungslisten nur das Geschlecht, die Häftlingsnummer und das Geburtsdatum der jeweiligen Person mitgeteilt -keine Namen.
Am 24. Oktober 1944 traf der Transport von weiblichen Häftlingen aus dem KZ Auschwitz ein. Die Frauen wurden im geschlossenen Einsatz in zwei Schichten, 12 Stunden pro Schicht, zur Arbeit gezwungen. Arbeitskleidung, Decken, Essgeschirr sowie Essen waren durch die Astra-Werke AG zu stellen. Die Häftlinge erhielten keinen Lohn, aber die Astra-Werke AG musste ein Entgelt von 4,-RM für das Tagwerk unter Abzug der Verpflegung von 0,70 RM pro Häftling an das KZ Flossenbürg abführen. Die Unterbringung erfolgte im 5. Stock des Werkes I auf dreistöckigen Holzpritschen, mit Strohsäcken ohne Bettzeug. Minderwertige Essensrationen, schlechte hygienische Bedingungen, Kälte und Bestrafungen durch die SS-Wachmannschaften gehörten zum Alltag der Häftlinge. Strafen bestanden u. a. aus Schlägen bzw. Essensentzug, meist wegen mangelnder Arbeitsleistung.
Nach dem Bombenangriff auf Chemnitz am 5. März 1945 gab es für einige Tage kein Essen, Hunger, Kälte und Krankheiten, auch Tote durch Unterernährung, waren die Folgen der menschenunwürdigen Verhältnisse. Es gab nachgewiesen zwei Tote, drei Frauen flüchteten und acht wurden ins KZ Ravensbrück.

Als Wachpersonal kamen etwa 40, meist junge weibliche Betriebsangehörige von der Astra-Werke AG zum Einsatz, die für diese Zeit der SS unterstellt waren. Nur wenige Frauen meldeten sich freiwillig, viele Frauren wurden unter Androhung von Strafen durch die Betriebsleitung gezwungen, Mitte August 1944 an einem „Lehrgang“ im KZ
Ravensbrück teilzunehmen. Die Ausbildung dauerte nur wenige Tage. Von dort wurde ein Teil als SS-Aufseherinnen in das KZ-Außenlager von Buchenwald, nach Leipzig-Schönau,
und ein anderer Teil in das im Aufbau befindliche Außenlager des KZ Flossenbürg, zur "Freia" nach Freiberg, abkommandiert. Erst Ende 1944 bzw. Anfang 1945 kamen die
meisten Frauen als SS-Aufseherinnen wieder bei der Astra-Werke AG zum Einsatz.

In der Nacht vom 12. zum 13. April marschierten die Häftlinge unter strenger Bewachung durch Chemnitz zum Güterbahnhof Hilbersdorf. Am 14. April 1945 fuhren sie
in zehn vollkommen verschlossenen Güterwagen nach Leitmeritz (Litomerice). Sie standen in diesem Güterzug einen ganzen Tag und eine ganze Nacht auf dem Güterbahnhof
Hilbersdorf. Es gab weder Sitzgelegenheiten noch Stroh. Sie waren so eng eingepfercht, dass sie sich während der ganzen Fahrt nicht legen konnten. Von Leitmeritz (Litomerice)
marschierten sie zu Fuß nach Hertine, wo sie bis zur Befreiung in einer Munitionsfabrik arbeiten mussten. Es kam in dieser Munitionsfabrik bei den Frauen zu Vergiftungen,
teilweise mit tödlichem Ausgang. Die Anzahl der Toten ist aus den Zeugenberichten nicht ermittelbar.

Buchankündigung: Wie Lämmer zur Schlachtbank?

Am nachfolgend vorgestellten Buch arbeiteten auch Mitglieder unseres Vereines mit. Wir möchten es an dieser Stelle gerne mittels der Verlagsankündigung vorstellen:

Bertram Seidel, Gabriele Seidel, Enrico Hilbert (Hrsg.)
Wie Lämmer zur Schlachtbank?
Jüdischer Widerstand und Verweigerung aus der jüdischen Bevölkerung in Sachsen gegen da NS-Regime 1933-1945

Das Buch erhebt hinsichtlich der erörterten Thematik weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf theoretischen Tiefgang. Ihr Hauptanliegen besteht vielmehr darin, anhand des Verhaltens konkreter Personen einen Eindruck vom Ausmaß resistenten Handelns aus der jüdischen Bevölkerung eines räumlich klar definierten Territoriums des Deutschen Reiches gegen das Herrschaftssystem der Nazis zu vermitteln und damit der in verschiedenen Milieus noch immer stark verbreiteten Pauschalansicht, die Juden hätten sich nich gegen das Hitlerregime und damit gegen ihr Verderben gewehrt, handfeste Tatsachen entgegenzusetzen. Bekanntlich wurde dieser Aspekt der Holocaust-Gesamtthematik zumindest im deutschsprachigen Raum über lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt und darüber hinaus von einigen Historikern wie beispielsweise Raul Hilberg in seiner 1992 erschienenen Publikation „Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933 bis 1945“ in der Vergangenheit auch verzerrt dargestellt.

Interessierte können das Buch direkt beim Verlag bestellen. >>> https://www.edition-av.de/