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Auch in den nächsten Wochen starben trotz aller Bemühungen der Amerikaner und der örtlichen Krankenhäuser zahlreiche weitere Häftlinge. Von den 1.300 Häftlingen, die Grünberg am 29. Januar 1945 verlassen hatten, haben nur 138 Frauen den längsten Todesmarsch überlebt, abgesehen von einigen erfolgreichen Fluchten. Der Todesmarsch durchquerte mit dem Wartheland, die Provinz Brandenburg, die Provinz Niederschlesien, das Land Sachsen, das Land Bayern und den Reichsgau Sudetenland, also sechs Gebiete über eine Länge von circa 800 km. Mit einer Todesrate von circa 85% war er einer der schlimmsten Märsche in der Endphase des Krieges überhaupt und ist paradigmatisch für das mörderische, teils widersprüchliche Verhalten der Bewacher, wie auch das wachsende Chaos in dieser Zeit.

Zur gleichen Zeit, im Februar 1945, wurde auch ein Marsch von Häftlingen des Außenlagers des KZ Groß-Rosen Bunzlau I (Boleslawiec) mit ca. 700 Männern durch Chemnitz
geführt. Die genaue Route ist noch nicht dokumentiert. Die Häftlinge des Außenlagers Bunzlau I und II waren für die Forcke-Wulf-Flugzeugbau GmbH Bremen im Einsatz. Am

11. Februar 1945 evakuierte die SS das Lager und schickte die bereits erschöpften Häftlinge auf Todesmarsch. Etwa 150 Kranke aus beiden Lagern blieben zurück und wurden am 12. Februar von der Roten Armee befreit. Die Todesstrecke ging über Görlitz -Chemnitz -Leipzig -Halle -KZ Dora-Mittelbau. 541 Lebende wurden dort am 25. März registriert.13 Die letzte Welle von Todesmärschen mit KZ-Häftlingen erlebte Chemnitz schließlich im April 1945, als zahlreiche Marschkolonnen das Land von Nordwesten nach Südosten durchquerten:

Am 13./14. April 1945 zogen ca. 700 jüdische Frauen vom Außenlager Langenleuba Oberhain des KZ Buchenwald (sie leisteten Arbeitsdienst im Max-Gerth-Werk Penig für die Junkers Flugzeug-und Motorenwerke AG) über Mittweida -Hartmannsdorf durch Chemnitz zur Altchemnitzer Str. 41 in die Unterkünfte der Astra-Werke AG. Am 15. April wurden die Frauen über Burkhardtsdorf -Zwönitz bis Haid getrieben. 72 Frauen gelang in Chemnitz die Flucht. Amerikanische Truppen befreiten sie in Mittweida. Mitte April wurde das Außenlager der Auto-Union AG in Hohenstein-Ernsthal evakuiert. Die 420 Häftlinge gingen auf Todesmarsch über Grüna -Reichenbrand -Markersdorf über den Erzgebirgskamm in den Sudetengau nach Zludice.

Am 13. März 1945 traf eine Kolonne von ca. 1000 Männern in Erdmannsdorf ein. Sie hatten bereits einen Fußmarsch ab 9. Januar von Kittlitztreben, Außenlager des KZ Groß-Rosen, hinter sich. Die Häftlingemarschierten weiter überDittmannsdorf -Gornau -Weißbach -Kemtau -Burkhardtsdorf -Adorf/Erzg. -Erlbach-Kirchberg -Lichtenstein bis ins KZ Buchenwald. Dort wurden am 4. April 746 Häftlinge registriert. Am 11. April 1945 , Kommando "Reh": 700 Männer, des Außenlagers Staßfurt (KZ Buchenwald) wurde in Marsch gesetzt. Am 8. Mai marschierten die Häftlinge von Ansprung über Marienberg -Mildenau nach Annaberg wo die Freilassung der 250 Häftlinge erfolgte. Allein auf sächsischem Gebiet gab es 221 Todesopfer.
Am 15. April 1945 begaben sich 700 Häftlinge des Außenlagers Flossenbürg in Flöha-Plaue auf Todesmarsch. Diese Häftlinge arbeiten über ein Jahr lang für die Fertigung von
Rümpfen für das Jagdflugzeug He 109 im Werk Tüllfabrik Flöha GmbH. (Tarnname „Fortuna GmbH“ Flöha) der Erla-Maschinenwerk GmbH Leipzig. Sie liefen über Hennersdorf -Waldkirchen -nach Gelobtland. Dort ließ SS-Oberscharführer Brendel 56 Häftlinge erschießen. An der Heinzebank erschlug er drei Häftlinge Am 30. April 1945 traf eine Kolonne von ca. 500 politischen Häftlingen nach langem Todesmarsch in Borstendorf ein. Sie marschierten am 9. April 1945 von Halberstadt (damals preußische Provinz Sachsen), einem Außenlager des KZ Buchenwald (tätig bei Junkers Flugzeug-und Motorenwerke AG Dessau), über Riesa, Freiberg in unsere Gegend.
In Borstendorf wurden die Häftlinge mit Entlassungsscheinen freigelassen. Diese liefen dann weiter über Grünhainichen bis Klaffenbach. Hier trafen sie auf amerikanische Truppen.

Buchankündigung: Wie Lämmer zur Schlachtbank?

Am nachfolgend vorgestellten Buch arbeiteten auch Mitglieder unseres Vereines mit. Wir möchten es an dieser Stelle gerne mittels der Verlagsankündigung vorstellen:

Bertram Seidel, Gabriele Seidel, Enrico Hilbert (Hrsg.)
Wie Lämmer zur Schlachtbank?
Jüdischer Widerstand und Verweigerung aus der jüdischen Bevölkerung in Sachsen gegen da NS-Regime 1933-1945

Das Buch erhebt hinsichtlich der erörterten Thematik weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf theoretischen Tiefgang. Ihr Hauptanliegen besteht vielmehr darin, anhand des Verhaltens konkreter Personen einen Eindruck vom Ausmaß resistenten Handelns aus der jüdischen Bevölkerung eines räumlich klar definierten Territoriums des Deutschen Reiches gegen das Herrschaftssystem der Nazis zu vermitteln und damit der in verschiedenen Milieus noch immer stark verbreiteten Pauschalansicht, die Juden hätten sich nich gegen das Hitlerregime und damit gegen ihr Verderben gewehrt, handfeste Tatsachen entgegenzusetzen. Bekanntlich wurde dieser Aspekt der Holocaust-Gesamtthematik zumindest im deutschsprachigen Raum über lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt und darüber hinaus von einigen Historikern wie beispielsweise Raul Hilberg in seiner 1992 erschienenen Publikation „Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933 bis 1945“ in der Vergangenheit auch verzerrt dargestellt.

Interessierte können das Buch direkt beim Verlag bestellen. >>> https://www.edition-av.de/