Dietmar Wendler – ein Nachruf

Ziemlich unerwartet hat uns Dietmar Wendler verlassen müssen. Wenige Tage nach seinem Geburtstag erlitt er einen Schlaganfall von dessen Folgen er sich nicht mehr erholte und verstarb am Weihnachtstag 2022. Vielleicht hätte ein fürsorgliches, an den dringlichsten Bedürfnissen der Menschen nach Unversehrtheit und schnellem Beistand in Notfällen ausgerichtetes Gesundheits- und Rettungssystem sein Leben bewahren können, dem ist aber nicht so.

Dietmar hat sich sein bewusstes politisches Leben lang für eine friedliche, sozial gerechte Gesellschaft, für den Sozialismus engagiert und gab dieses Ziel auch nach dem Umbruch der Jahre der Wende nicht auf. Er blieb in seiner Partei und versuchte, auch da Einfluss zu nehmen.

Mehr als zwei Jahrzehnte wirkte er im Verband der Verfolgten des Naziregimes, ihrer Hinterbliebenen und Freunde in Chemnitz. Zunächst mit Betreuungsaufgaben befasst, kümmerte er sich rührend um die teils hochbetagten Mitglieder und organisierte mit Katja Koenen und Rainer Ritscher das Vereinsleben für die Veteranen.

Doch Dietmar hatte noch wesentlich andere Stärken, die in seiner Berufung lagen. Er war ein begnadeter Forscher und Mann der Geschichte. Als das Projekt von Dr. Hans Brenner auf den Weg gebracht war, sich mit unserem Freistaat und dessen Vergangenheit in den Jahren 1933 bis 1945 zu befassen und kurz vor dem Scheitern stand, da sich kaum Mitstreiter fanden, dieses waghalsige Unterfangen zu beginnen, war er zur Stelle und stellte sich dieser Aufgabe, trotz familiärer Verpflichtungen und dem Bewusstsein auch eigene Erkrankungen und die Kräfte im Blick haben zu müssen.

Dietmar war ein gefragter Historiker, zuletzt auf einem Kongress zu Fragen der Zwangsarbeit in Rostock, gehörte der Koordinierungsgruppe der Chemnitzer Stolpersteine an, brachte Licht in das Dunkel um das Gefängnis auf dem Kaßberg in den Jahren 1933-1945, fungierte als Leiter der Bürgerschaftlichen Initiative – Historischer Atlas Land Sachsen 1933-1945 und forschte unaufhörlich an den Biographien und Daten zu den Inhaftierten in den frühen Konzentrationslagern, insbesondere Sachsenburgs.

Bleiben werden die Erinnerungen, seine Forschungsergebnisse, seine Veröffentlichungen, zuletzt in der Broschüre „Der Winnetou von Gablenz“ mit den Erinnerungen an Ernst Enge und Initiativen die im öffentlichen Raum unserer Stadt sichtbar sind, die Gedenktafel für die Inhaftierten des KZ Außenlagers Flossenbürg in der Altchemnitzer-Straße und die Gedenktafel für das Zwangsarbeiterlager in der Jagdschänkenstraße.

 

Die Trauerfeier und Beisetzung finden am 10. Februar 2023 um 13.30 Uhr auf dem Städtischen Friedhof, Reichenhainer-Straße auf der Krematoriumsseite statt.

 

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Gedenken an den Kämpfer gegen den Faschismus Anton Erhardt, der vor 90 Jahren ermordet wurde.

18.02.2023 10:00 - 11:00

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Jahresauftakt von VVN BdA Chemnitz und CubaSi

In ehrendem Gedenken an Günter Schmidt

Unser Kamerad Günter Schmidt verstarb im 80.Lebensjahr. Wir haben einen aufrichtigen und standhaften Kämpfer für eine friedfertige und antifaschistische Gegenwart sowie Zukunft verloren.

Selbstlos und engagiert arbeitete er als Vorstandsmitglied für die Umsetzung der Ziele unseres Verbandes. Mit der Fahne der VVN-BdA begleitete er Demonstrationen gegen rechts, nahm an Gedenkveranstaltungen für die Helden des antifaschistischen Widerstandes und für die Opfer des Krieges auf dem sowjetischen Friedhof teil. Er war vielfach Teilnehmer bei  Veranstaltungen in den Gedenkstätten Buchenwald, Sachsenburg, Lidice und Teresin.

Günter verrichtete seine Arbeit unaufgeregt und jederzeit freundlich sowie mit Umsicht. Auf ihn war immer Verlass.

 

Wir danken Günter sehr und werden ihn in Erinnerung behalten.

 

Vorstand

VVN-BdA Chemnitz

Stolpersteine mahnen auch in Chemnitz

Buchempfehlungen

Dr. Hans Brenner und seine 50 Mitstreiter habe ein umfangreiches Werk über die Anfänge der Konzentrationslager in Sachsen vorgelegt. 

Die Neuerscheinung der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung wirft ein neues Licht auf die Zeit der Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 in Sachsen. Zu den Themen zählen das System der Frühen Konzentrationslager von 1933 bis 1937 (mit mindestens 80 sächsischen Städten und Gemeinden), die politischen Prozesse gegen Gegner des NS-Systems, Opferschicksale aus den verschiedenen Verfolgten-Gruppen und die als Todesmärsche bezeichneten Evakuierungsmärsche aus Konzentrationslagern und deren Außenlagern ab Herbst/Winter 1944 über sächsisches Territorium. Mit einem umfangreichen Datenanhang und vier thematischen Karten liefert das Buch neuestes Forschungsmaterial für die sächsische Heimat- und Landesgeschichte.

Brenner, Hans / Heidrich, Wolfgang / Müller, KlausDieter / Wendler, Dietmar (Hrsg.) NS-Terror und Verfolgung in Sachsen. Von den Frühen Konzentrationslagern bis zu den Todesmärschen Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Dresden 2018, 624 S


Von Leipzig über Waldheim nach Buchenwald vom Anarchosyndikalisten zum Kommunisten 

Erinnerungnen von Richard Thiede (1906 - 1990)

Herausgegeben von Gert Thiede

Zu diesem Bericht

Im Januar 1984, mit bereits 78 Jahren, hat mein Vater versucht, sein persönliches Leben schriftlich festzuhalten. Sein Ziel war es, die Erinnerungen einmal in einer Schrift zusammenzufassen und der Öffentlichkeit oder einem Museum zur Verfügung zu stellen. Dabei kam es ihm vor allem darauf an, die in Zeiten politischer Engstirnigkeit mancher Funktionäre, ihre abwertende und abweisende Einschätzung zum Wirken der Freien-Arbeiterunion-Deutschlands (FAUD) in der Betrachtung der Arbeiterbewegung richtig zu stellen. ....