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Unvergessen - Lydia Georg

Am Kohlebahnhof Chemnitz-Siegmar fand am 30. April 1945 ein bis heute nicht aufgeklärter Mord an Lydia Georg, geborene Pätzold,  statt. An diese Tag oder in den Nachtstunden wurde sie von einem Führer einer in der Ortslage agierenden Werwolf-Gruppe* am Kohlebahnhof als "Landesverräterin" vergewaltigt und erschossen.

Lydia Georg und ihr Ehemann verwalteten eine Lagerhalle mit Wehrmachtskleidung in Siegmar und weigerten sich beim Herannahen von US-Truppen, Bestände für die faschistische Wehrmacht freizugeben. Das Ehepaar unterstützte die Kapitulationsbemühungen von Otto Schmerbach und organisierten u.a. das Beflaggen mit weißen Fahnen.

Beide wurden wurden verhaftet und vor das Kriegsgericht in Chemnitz gestellt. Der Ehemann konnte sich wohl aus der Festsetzung durch einen Werwolf-Trupp befreien und ging noch vor Eintreffen der Roten Armee in eine benachbarte Besatzungszone.

Die grausame Tat wurde durch die Faschisten als "Tod durch Feindbegünstigung" vertuscht. Mit dem Eintreffen der Roten Armee von antifaschistischen Hilfspolizisten wurde dies aufgedeckt. Einige Mitwisser und Unterstützer wurden verhaftet und verurteilt, der Täter selbst blieb flüchtig und konnte nie seiner Strafe zugeführt werden. 

Kein Opfer der brutalen und entmenschlichten faschistischen Ideologie und Diktatur darf vergessen werden, auch wenn (noch) nicht immer alle Fakten detailliert bekannt sind. 

 *Die Organisation Werwolf (seltener: Wehrwolf) war eine faschistische Organisation zum Aufbau einer Bewegung zur Fortführung des Kampfes auf bereits 

  befreiten Gebieten am Ende des 2. Weltkrieges, die im September 1944 von Himmler als Minister und Reichsführer SS gegründet wurde.

 Quellen: 

Eberhard Hübsch, Militärhistoriker, Publikationen des Geschichtsvereins und  "Geschichtswerkstatt".

Eberhard Hübsch und Peter Jacobi: "Reichenbrander Heimathefte"

Buchankündigung: Wie Lämmer zur Schlachtbank?

Am nachfolgend vorgestellten Buch arbeiteten auch Mitglieder unseres Vereines mit. Wir möchten es an dieser Stelle gerne mittels der Verlagsankündigung vorstellen:

Bertram Seidel, Gabriele Seidel, Enrico Hilbert (Hrsg.)
Wie Lämmer zur Schlachtbank?
Jüdischer Widerstand und Verweigerung aus der jüdischen Bevölkerung in Sachsen gegen da NS-Regime 1933-1945

Das Buch erhebt hinsichtlich der erörterten Thematik weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf theoretischen Tiefgang. Ihr Hauptanliegen besteht vielmehr darin, anhand des Verhaltens konkreter Personen einen Eindruck vom Ausmaß resistenten Handelns aus der jüdischen Bevölkerung eines räumlich klar definierten Territoriums des Deutschen Reiches gegen das Herrschaftssystem der Nazis zu vermitteln und damit der in verschiedenen Milieus noch immer stark verbreiteten Pauschalansicht, die Juden hätten sich nich gegen das Hitlerregime und damit gegen ihr Verderben gewehrt, handfeste Tatsachen entgegenzusetzen. Bekanntlich wurde dieser Aspekt der Holocaust-Gesamtthematik zumindest im deutschsprachigen Raum über lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt und darüber hinaus von einigen Historikern wie beispielsweise Raul Hilberg in seiner 1992 erschienenen Publikation „Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933 bis 1945“ in der Vergangenheit auch verzerrt dargestellt.

Interessierte können das Buch direkt beim Verlag bestellen. >>> https://www.edition-av.de/