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Unvergessen - Ernst Enge

Der Widerstandskämpfer Ernst Enge wurde am 1. Februar 1893 geboren, war Eisendreher und lebte mit seiner Familie in Chemnitz/Gablenz,  Adelsbergstraße 45.

Ernst Enge war aktiver Gewerkschaftsfunktionär und trat im Jahre 1921 der KPD bei. Seiner ersten Inhaftierung im Juni 1933 folgten zwei Jahre Haft im Zuchthaus Waldheim und 1939 eine weitere so genannte „vorbeugende“ Haft von sechs Wochen im Gefängnis auf dem Kaßberg(von hier erfolgten direkte Abtransporte in Konzentrationslager - das "Tor in den Tod").
Nach seiner Entlassung wurde er Ende Oktober 1939 für den Chemnitzer Rüstungsbetrieb Maschinenbaufirma Moll zwangsverpflichtet.

Er widmete sich intensiv der illegalen Arbeit und er organisierten unter Chemnitzer Antifaschisten den Widerstand in Rüstungsbetrieben. Dies geschah gemeinsam mit SPD-Mitgliedern und parteilosen Arbeitern und in enger Verbindung mit französischen, tschechischen und vor allem sowjetischen Zwangsarbeitern sowie Kriegsgefangenen. So wurde nachts Radio Moskau gehört und Flugblätter in russischer Sprache angefertigt, die ihren Weg bis in die Kriegsgefangenen Lager nach Plauen fanden. Es wurden auch Pässe, Kompasse und Kartenmaterial für die Flucht aus dem Zwangsarbeitslager der Chemnitzer Astra-Werke besorgt. Es gelang, durch einen Motorbrand in einer der Astra-Abteilungen die Kriegsproduktion sechs Tage lang lahmzulegen. Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene wurden mit Nahrungsmitteln, Kleidung und Nachrichten versorgt.
Die Widerstandsgruppe um Ernst Enge stellte Verbindungen zur Saefkow- und Schuhmann-Kresse-Gruppe her.

Als die Niederlage der Faschisten immer deutlicher sichtbar wurde, besorgte er für die Gruppe Waffen, die er mit anderen Genossen im Zesigwald vergraben hatte. 

Am 26. September 1944 wurde Ernst Enge nach Gegenwehr im Tabakwarenkiosk seines Schwagers Gustav Klukas in Hilbersdorf, Frankenberger Str./Ecke Rudolf-Liebold-Straße von der Gestapo überwältigt, im Polizeigefängnis Hartmannstraße grausam mißhandelt und kam am 17. Oktober 1944, wahrscheinlich im Kaßberggefängnis auf der Hohe Straße, ums Leben. Die Gestapo konnte trotz der Grausamkeiten kein Geständnis und keine Namen abpressen und tarnte seine Tod als Selbstmord. 
Gustav Klukas erlag am 31.12.1944 im Gefängnis(Kaßberg?) seinen schweren Verletzungen, die er während der Verhöre durch die Gestapo erlitten hatte.
Die Verhaftung stand unter der Leitung des Gestapomannes Munkelt, der nach 1945 unbehelligt in der BRD lebte.


Die Gräber von Ernst Enge und Rudolf Harlaß befinden sich auf dem Ehrenfriedhof VVN-BdA mit Stele - Städtischer Friedhof, Reichenhainer Straße.

Ernst Enge wird für seinen antifaschistischen Kampf in der Gedenkstätte "Ehrenhain der Sozialisten" in Chemnitz gedacht.

Das Wohnhaus an der Adelsbergstraße 45 wurde abgerissen und die Gedenktafel ist verschwunden. 
Im Jahr 2013 wurde ein "Stolperstein" für Ernst Enge am Polizeipräsidium, Hartmannstraße 24, verlegt.

Von 1945 bis 1968 war die Siedlung Schenkenberg im Chemnitzer Stadtteil Reichenhain nach Ernst Enge benannt. Der Straßenname wurde 1968 auf eine Straße im Chemnitzer Stadtteil Gablenz übertragen, die noch heute diesen Namen trägt.

In einer Grundschule in Karl-Marx-Stadt/Chemnitz -Gablenz, Carl-von-Ossietzky-Straße 171, die bis 1990 seinen Namen trug, erinnert ein Gedenkstein an ihn.


Quellen/Literatur:
Broschüre "125 Biografien zur Chemnitzer Geschichte. Alberti bis Zöppe", Ed. Reintzsch Verlag, Radebeul 2000;
Broschüre "Aus der Vergangenheit lernen, die Gegenwart meistern, die Zukunft gestalten", Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt, Abt. Kultur;

Broschüre "Ehrenhain der Sozialisten Karl-Marx-Stadt", Stadtleitung Karl-Marx-Stadt der SED, Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt;

Broschüre "Gegen das Vergessen", VVN-BdA - Stadtverband Chemnitz;

Broschüre "Unser Vater - der Winnetou von Gablenz", Leben-Kampf-Tod des Ernst Enge von Marga Simon(Tochter von Ernst Enge)

Orte des Gedenkens

Buchankündigung: Wie Lämmer zur Schlachtbank?

Am nachfolgend vorgestellten Buch arbeiteten auch Mitglieder unseres Vereines mit. Wir möchten es an dieser Stelle gerne mittels der Verlagsankündigung vorstellen:

Bertram Seidel, Gabriele Seidel, Enrico Hilbert (Hrsg.)
Wie Lämmer zur Schlachtbank?
Jüdischer Widerstand und Verweigerung aus der jüdischen Bevölkerung in Sachsen gegen da NS-Regime 1933-1945

Das Buch erhebt hinsichtlich der erörterten Thematik weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf theoretischen Tiefgang. Ihr Hauptanliegen besteht vielmehr darin, anhand des Verhaltens konkreter Personen einen Eindruck vom Ausmaß resistenten Handelns aus der jüdischen Bevölkerung eines räumlich klar definierten Territoriums des Deutschen Reiches gegen das Herrschaftssystem der Nazis zu vermitteln und damit der in verschiedenen Milieus noch immer stark verbreiteten Pauschalansicht, die Juden hätten sich nich gegen das Hitlerregime und damit gegen ihr Verderben gewehrt, handfeste Tatsachen entgegenzusetzen. Bekanntlich wurde dieser Aspekt der Holocaust-Gesamtthematik zumindest im deutschsprachigen Raum über lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt und darüber hinaus von einigen Historikern wie beispielsweise Raul Hilberg in seiner 1992 erschienenen Publikation „Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933 bis 1945“ in der Vergangenheit auch verzerrt dargestellt.

Interessierte können das Buch direkt beim Verlag bestellen. >>> https://www.edition-av.de/