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Kurt Wieland wurde am 01. Mai 1896 in Rottluff (Chemnitz) geboren. Frühzeitig fand er Anschluss an organisierte Arbeiterbewegung und zeichnete sich durch unbedingte Zuverlässigkeit aus. Umfassend gebildet wurde er immer wieder zum Helfer der Ärmsten, deren Rechte er in selbstloser Weise vertrat. Seine Freunde nannten ihn deshalb "Rechtsanwalt".
1921 wurde er Mitglied der SPD und trat, aus Protest über die Politik der rechten SPD-Führer, 1932 der Sozialistischen Arbeiterpartei bei. Konsequent trat er für den bedingungslosen Kampf gegen den Faschismus ein. Nach der Machtergreifung der Faschisten ging Kurt Wieland zur illegalen Arbeit über.
Im Ortsteil Rottluff stellte er, unter Nutzung seiner Tätigkeit als Kassierer einer Versicherung, Verbindungen her, führte politische Gespräche und verteilte Flugblätter.
Als der Lehrer Stedeli aus dem Schuldienst, wegen dessen jüdischen Ehefrau, entlassen wurde, versorgte er sie mit Lebensmitteln und brachte sie später an die französische Grenze. Beide verdanken ihm ihre Rettung.
In der Stahlgießerei der Firma Krautheim KG in Chemnitz, Bornaer Straße, arbeitete er in einer Widerstandsgruppe mit Fritz Matschke und Paul Thümer und sabotierte lange Zeit die Rüstungsproduktion.
Als die Gestapo am 2. März 1945 die Leitung der Widerstandsgruppe verhaftete und Geständnisse zu erpressen versuchte, war dies vergebens. Keiner der drei Verhafteten verriet einen Mitkämpfer.
Am 27. März 1945 wird Kurt Wieland mit weiteren 58 Gestapo-Häftlingen in das KZ Flossenbürg überstellt, aus dem sie am 19. April 1945 auf Todesmarsch in das KZ Dachau geschickt werden. Auf diesem wird er von der SS ermordet.
Ein Gedenkstein auf dem Betriebsgelände der Stahlgießerei trägt die Inschrift:
"Verhaftet von der Gestapo als Mitglieder der
antifaschistischen Widerstandsgruppe
unseres Werkes im März 1945.
Ermordet auf dem Weg in das KZ Dachau.
Fritz Matschke, Paul Thümer, Kurt Wieland
Gebohren als Söhne der Arbeiterklasse
Gelebt als Kämpfer der Arbeiterklasse
Gestorben als Helden der Arbeiterklasse."
Kurt Wielands Sohn half aktiv bei der Organisation der Antifa-Jugend in Rottluff.
In ehrendem Gedenken an Kurt Wieland wurde von seinen Arbeitskollegen am
Wohnhaus von Kurt Wieland (Rottluffer Str./Kastanienstr.) eine Gedenktafel angebracht, deren Verbleib ungeklärt ist.
Kurt Wieland wird für seinen antifaschistischen Kampf im städtischen "Ehrenhain der Sozialisten" geehrt.
Es gab ein Klubhaus "Kurt Wieland".
Die Kurt-Wieland-Straße wurde nach 1990 in Beyerstraße umbenannt.
Die POS "Kurt Wieland" Karl-Marx-Stadt erhielt 1991 den Namen "Obere Luisenschule".
An der Schule befindet sich eine Gedenktafel.
(Quellen/Literatur: Robert Koch (Neffe von Kurt Wieland), Broschüre "Aus der Vergangenheit lernen, die Gegenwart meistern, die Zukunft gestalten", Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt, Abt. Kultur; Broschüre "Gegen das Vergessen", VVN-BdA - Stadtverband Chemnitz, Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Chemnitzer Adreßbuch 1943)
(RB)

Am nachfolgend vorgestellten Buch arbeiteten auch Mitglieder unseres Vereines mit. Wir möchten es an dieser Stelle gerne mittels der Verlagsankündigung vorstellen:
Bertram Seidel, Gabriele Seidel, Enrico Hilbert (Hrsg.)
Wie Lämmer zur Schlachtbank?
Jüdischer Widerstand und Verweigerung aus der jüdischen Bevölkerung in Sachsen gegen da NS-Regime 1933-1945
Das Buch erhebt hinsichtlich der erörterten Thematik weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf theoretischen Tiefgang. Ihr Hauptanliegen besteht vielmehr darin, anhand des Verhaltens konkreter Personen einen Eindruck vom Ausmaß resistenten Handelns aus der jüdischen Bevölkerung eines räumlich klar definierten Territoriums des Deutschen Reiches gegen das Herrschaftssystem der Nazis zu vermitteln und damit der in verschiedenen Milieus noch immer stark verbreiteten Pauschalansicht, die Juden hätten sich nich gegen das Hitlerregime und damit gegen ihr Verderben gewehrt, handfeste Tatsachen entgegenzusetzen. Bekanntlich wurde dieser Aspekt der Holocaust-Gesamtthematik zumindest im deutschsprachigen Raum über lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt und darüber hinaus von einigen Historikern wie beispielsweise Raul Hilberg in seiner 1992 erschienenen Publikation „Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933 bis 1945“ in der Vergangenheit auch verzerrt dargestellt.
Interessierte können das Buch direkt beim Verlag bestellen. >>> https://www.edition-av.de/

