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Unvergessen - Wilhelm Pieck

Zum 150. Geburtstag

Am 3. Januar 1876 wurde Wilhelm Pieck in Guben geboren und war von 1949 bis zu seinem Tod Präsident der Deutschen Demokratische Republik. 

Pieck war seit den 1890er Jahren in der Bremer SPD aktiv, schloss sich 1917 der USPD an und wurde 1919 Mitbegründer und führender Funktionär der KPD. Im Jahr 1894 wurde er Mitglied des freigewerkschaftlichen Deutschen Holzarbeiterverbandes.

Wilhelm Pieck entstammte einer Arbeiterfamilie und erlernte den Beruf eines Tischlers.

Im Kampf gegen den 1. Weltkrieg war er mit Rosa Luxemburg, Franz Mehring, Hermann Duncker und Karl Liebknecht an Aktivitäten zur Sammlung der oppositionellen Kräfte in der SPD beteiligt, die sich in der Gruppe Internationale konstituierten, und nahm als entschiedener Gegner der sozialdemokratischen Burgfriedenspolitik an Konferenzen und Demonstrationen kriegsablehnender Sozialdemokraten teil. Als einer der Organisatoren einer Frauendemonstration gegen den Krieg wurde er am 28. Mai 1915 vor dem Reichstag festgenommen und blieb bis Oktober 1915 in Untersuchungshaft, der aus dem man ihn zum Kriegsdienst einberief. 

Im Juni 1917 verweigerte er gegenüber Vorgesetzten die Rückkehr an die Front mit der Begründung, der Krieg sei ein Verbrechen und kam vor ein Kriegsgericht. Er desertierte und ging in den Untergrund in Berlin. Hier organisierte er den Streik der Rüstungsarbeiter im Januar 1918.

Im 1918 und beteiligte sich als Mitglied des Vollzugsausschusses der revolutionären Obleute an der Novemberrevolution. Er gehörte neben Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu den führenden Mitgliedern der am 11. November neu gebildeten Zentrale des Spartakusbundes. Er nahm am Spartakusaufstand vom 5. bis 12. Januar 1919 teil und wurde nach dessen Niederschlagung durch rechtsgerichtete Freikorps am Abend des 15. Januar beim Besuch der Unterkunft Luxemburgs und Liebknechts verhaftet und entkam später.

Als Vertreter der Zentrale der KPD in Essen, war er 1920 mit dem Aufbau Gesamtleitung der Roten Ruhrarmee betraut. Der Arbeiteraufstands scheiterte und die rechtsgerichteten Reichswehr- und Freikorpsverbände marschierten unter Anwendung brutalen Vergeltungsmaßnahmen in das Ruhrgebiet ein. 

Wilhelm Pieck weihte am 13. Juni 1926 das Denkmal für die Opfer der Novemberrevolution auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde ein.

Wilhelm Pieck wurde 1921 Abgeordneter des Preußischen Landtages dessen Mitglied er bis zu seiner Wahl in den Reichstag 1928 blieb. 1922 war er Mitbegründer der Internationalen Roten Hilfe und wurde 1925 dessen Vorsitzender. Mit der Wahl vom 24. April 1932 wurde Pieck als Reichstagsabgeordneter erneut Mitglied des Preußischen Landtags. 

Nach der Machtübernahme durch die braunen Horden im Januar 1933 und der einsetzenden Verfolgung deutscher Kommunisten nahm Pieck am 7. Februar 1933 an der KPD-Tagung in Ziegenhals bei Berlin teil. Am 23. Februar 1933 trat Pieck zur Vorbereitung der Märzwahlen auf der letzten Großkundgebung der KPD im Sportpalast Berlin als Hauptredner auf. Im August 1933 stand Piecks Name auf der ersten Ausbürgerungsliste des faschistischen Regimes.

Wilhelm Pieck lebte bis Anfang 1935 in der Illegalität in Paris, wo er zusammen mit Franz Dahlem und Wilhelm Florin in der Leitung der vom Ausland aus tätigen Exil-KPD wirkte.

Zwischen 1936 und 1939 verbrachte er zur Aktivierung der Volksfrontarbeit der Kommunistischen Internationale und Schlichtung von Streitigkeiten im Volksfrontausschuss verschiedentlich mehrere Monate in Paris, wo er unter anderem mit Heinrich Mann zusammentraf.

Anfang der 1940er Jahre arbeitete er in Moskau für den deutschsprachigen Sender Radio Moskau. 1943 gehörte er maßgeblich zu den Mitinitiatoren des Nationalkomitee Freies Deutschland und war Unterzeichner des Manifestes des Gründungskomitees. 

Wilhelm Pieck kehrte gemeinsam mit Angehörigen der Gruppe Ulbricht am 1. Juli 1945 nach Berlin zurück und beteiligte sich aktiv am Aufbau einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung. 

In Warschau fand am 5. und 6. Juni 1950 eine Zusammenkunft der Regierungen der Volksrepublik Polen(Bolesław Bierut) und der DDR(Wilhelm Pieck) statt, bei der die Oder-Neisse-Grenze als Staatsgrenze(Friedensgrenze) festgeschrieben wurde

Im April 1946 wurde er gemeinsam mit Otto Grotewohl(SPD) Vorsitzender der SED und nach Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 deren erster und einziger Präsident; er bekleidete dieses Amt, in dem er 1953 und 1957 bestätigt wurde, bis zu seinem Tod im Jahr 1960. Nach Piecks Tod wurde der Staatsrat der DDR als Nachfolgeorgan des Amtes des Präsidenten geschaffen.

Wilhelm Pieck verstarb am 7. September 1960 in seinem Wohnhaus und wurde auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde im Rondell der 1951 neu errichteten Gedenkstätte der Sozialisten beigesetzt.

Ehrungen:

DEFA-Dokumentarfilm "Wilhelm Pieck - Das Leben unseres Präsidenten"

Segelschulschiff "Wilhelm Pieck" der Gesellschaft für Sport und Technik; nach 19989 in Greif umbenannt

Piecks Geburtsstadt Guben trug von 1961 bis 1990 den amtlichen Ortsnamen Wilhelm-Pieck-Stadt Guben. Jugendhochschule der FDJ und zentrales Pionierlager mit dem Namen "Wilhelm Pieck" 

Universität Rostock und VEB Chemiefaserwerk in Schwarza mit dem Namen "Wilhelm Pieck", sowie VEB Kombinat Kabelwerk Oberspree und das VEB Mansfeldkombinat

Zahlreiche Schulen, Straßen, Plätze und dergleichen wurden nach ihm benannt, während die meisten dieser Benennungen in den frühen 1990er Jahren rückgängig gemacht wurden, überdauern bis heute etliche Wilhelm-Pieck-Straßen in verschiedenen Ortschaften. 

Es gibt eine Vielzahl künstlerischer Darstellungen durch bildende Künstler der DDR. Die Deutsche Post der DDR benutzte das Porträt Piecks für eine Dauermarkenserie, die zum Teil bis zum Ende der DDR Frankaturkraft hatte, sowie bei mehreren Sondermarkenausgaben (z. B. in der Serie Persönlichkeiten der deutschen Arbeiterbewegung) und einem Briefmarkenblock. Auf einer 20-Mark-Gedenkmünze der DDR war ein Porträt von Pieck abgebildet.

Es gab Namensverleihungen in der Ukraine sowie Nordkorea. In der Antarktis trägt der Pieckrücken seinen Namen.

Pieck ist unter anderem Ehrenbürger von Hoyerswerda und Plauen(jeweils 1946 ernannt). Das wiedervereinigte Berlin erkannte ihm die 1946 verliehene Ehrenbürgerschaft 1992 ab, wie schon 1948 der Westsektor.

Porträt Wilhelm Pieck; Rudolf Bergander, Öl, 1975

Porträtbüste Wilhelm Pieck; Ruthild Hahne, Bronze, 1958

Bildnis Wilhelm Pieck; Bert Heller, 1957, Galerie Neues Meister in Dresden 

u.v.a.m.

Schriften:

Gesammelte Reden und Schriften. 6 Bde., Dietz[verschiedene Ausgaben], Berlin 1955–1981.

Literatur(ausgewählt):

  • Rolf Badstübner und Wilfried Loth(Hrsg.): Wilhelm Pieck. Aufzeichnungen zur Deutschlandpolitik 1945–1953. Akademie, Berlin 1994
  • Horst Laude, Helmut Müller-Ensbergs:Pieck, Wilhelm. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2. Ch. Links, Berlin 
  • Hermann Weber, Andreas Herbst: Pieck, Wilhelm. In: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage, Karl Dietz Verlag, Berlin 2008
  • Hermann Weber: Pieck, Wilhelm Friedrich Reinhold, In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 20. Duncker & Humblot, Berlin 2001
  • Heinz Voßke, Gerhard Nitzsche: Wilhelm Pieck. Biographischer Abriß. Dietz Verlag, Berlin 1975

 

Buchankündigung: Wie Lämmer zur Schlachtbank?

Am nachfolgend vorgestellten Buch arbeiteten auch Mitglieder unseres Vereines mit. Wir möchten es an dieser Stelle gerne mittels der Verlagsankündigung vorstellen:

Bertram Seidel, Gabriele Seidel, Enrico Hilbert (Hrsg.)
Wie Lämmer zur Schlachtbank?
Jüdischer Widerstand und Verweigerung aus der jüdischen Bevölkerung in Sachsen gegen da NS-Regime 1933-1945

Das Buch erhebt hinsichtlich der erörterten Thematik weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf theoretischen Tiefgang. Ihr Hauptanliegen besteht vielmehr darin, anhand des Verhaltens konkreter Personen einen Eindruck vom Ausmaß resistenten Handelns aus der jüdischen Bevölkerung eines räumlich klar definierten Territoriums des Deutschen Reiches gegen das Herrschaftssystem der Nazis zu vermitteln und damit der in verschiedenen Milieus noch immer stark verbreiteten Pauschalansicht, die Juden hätten sich nich gegen das Hitlerregime und damit gegen ihr Verderben gewehrt, handfeste Tatsachen entgegenzusetzen. Bekanntlich wurde dieser Aspekt der Holocaust-Gesamtthematik zumindest im deutschsprachigen Raum über lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt und darüber hinaus von einigen Historikern wie beispielsweise Raul Hilberg in seiner 1992 erschienenen Publikation „Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933 bis 1945“ in der Vergangenheit auch verzerrt dargestellt.

Interessierte können das Buch direkt beim Verlag bestellen. >>> https://www.edition-av.de/