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Unvergessen - Heinz Keßler

Sohn deutscher Kämpfer gegen den Faschismus und Wehrmachtsdeserteur

Heinz Keßler wurde am 26. Januar 1920 in Lauban in Schlesien geboren und war in der DDR Minister für Nationale Verteidigung und Abgeordneter der Volkskammer. 

Heinz Keßler entstammte einer Arbeiterfamilie. Seine Eltern zogen 1923 nach Chemnitz um. Sie waren Kommunisten und wurden in der Zeit des Faschismus mehrmals in faschistischen Konzentrationslagern inhaftiert. Er besuchte die Volksschule und wurde Mitglied des Jung-Spartakus-Bundes. Von 1934 bis April 1937 erlernte er den Beruf eines Maschinenschlossers und arbeitete bis 1940 in diesem Beruf.

Am 15. November 1940 wurde Keßler in die Wehrmacht einberufen und im Frühjahr 1941 kam er mit der 134. Infanterie-Division zunächst ins Generalgouvernement für die polnisch besetzten Gebiete nach Petrikau. Nach einer weiteren Ausbildung ging er im Juni 1941 mit der Division in ihre Ausgangsstellung für den verbrecherischen Überfall auf die Sowjetunion bei Białystok in Stellung.

Drei Wochen nach Beginn des Krieges gegen die Völker der Sowjetunion lief er am 15. Juli 1941 zur Roten Armee über. In Folge seines Übertritts wurde er vom Reichskriegsgericht als Fahnenflüchtling zum Tode verurteilt und seine Mutter, Hedwig Keßler, von 1941 bis 1945 im KZ Ravensbrück inhaftiert. Nach der Befreiung durch die Rote Armee engagierte sie sich später für den Aufbau einer antifaschistisch-demokratischen Ordung als Stadtverordnete in Chemnitz/Karl-Marx-Stadt. 

Er kam zunächst nach Krasnogorsk bei Moskau, dann mit dem Überläufer Franz Gold nach Spasso-Sawodsk in Kasachstan. Dort lernte er Heinz Hoffmann kennen. Mit Gold und Hoffmann erhielt er eine fünfmonatige Ausbildung an der neugeschaffenen Antifa-Schule in Gorki. Zusammen mit Gold wurde er im Kriegsgefangenenlager 27 eingesetzt und im Dezember 1942 kam es zu seinem ersten Fronteinsatz in Welikije Luki. Keßler gehörte zu den Mitbegründern des Nationalkomitee Freies Deutschland(NKFD) in Krasnogorsk und unterschrieb das Manifest vom 12. Juli 1943. Er engagierte sich als einer der wichtigsten Jugendfunktionäre sowie als Frontbeauftragter an der Brjansker Front. In dieser Funktion rief er deutsche Soldaten zum Überlaufen auf.

Im Mai 1945 kehrte er als Angehöriger der Roten Armee ins eroberte Berlin zurück, wo er nach langer Zeit seine Mutter wiedertraf. 1945 war Keßler Mitglied des Zentralen Antifaschistischen Jugendausschusses und 1946 eines der Gründungsmitglieder der Freien Deutschen Jugend(FDJ). Er trat der KPD bei, die sich 1946 mit der SPD zur SED vereinigte. Am 1. November trat Keßler in die Bewaffneten Organe der DDR ein.

Von Dezember 1955 bis Herbst 1956 besuchte Keßler die Generalstabsakademie der UdSSR "Kliment Woroschilow" in Moskau. 

 

Bei Gründung der NVA am 1. März 1956 wurde Keßler zum Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung berufen. 

Von März 1967 bis 1978 war Heinz Keßler Stellvertreter des Ministers und Chef des Hauptstabes im Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR. Danach war er Mitglied des Militärrates des Vereinten Oberkommandos des Warschauer Pakts. Von 1979 bis 1985 war er Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung und Chef der Politischen Hauptverwaltung(PHV).

Am 3. Dezember 1985 übernahm Keßler vom verstorbenen Heinz Hoffmann das Amt des Verteidigungsministers. 1986 wurde er Mitglied des Politbüros des ZK der SED. 

Am 7. November 1989 trat Keßler als Verteidigungsminister zusammen mit den anderen Mitgliedern der Regierung Stoph zurück. Er leitete aber zunächst geschäftsführend das Ministerium weiter und wollte das Amt auch in der neuen Regierung ausüben, worauf er dann am 17. November allerdings verzichtete und am 15. Dezember auf eigenen Wunsch aus der NVA entlassen wurde.

Heinz Keßlers vertarb am  2. Mai 2017 in Berlin. Die Urne wurde neben der seiner Frau auf dem Berliner Friedhof Baumschulenweg beigesetzt.

 

 Ehrungen: u.a.

  • Ehrenspange zum Vaterländischen Verdienstorden
  • Scharnhorst-Orden
  • Orden des Vaterländischen Krieges I. Klasse
  • Medaille "40. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg 1941-1945"
  • Kar-Marx-Orden

Quellen/Literatur:

  • Für Frieden und Sozialismus. Band II. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1989
  • Die Sache aufgeben, heißt sich selbst aufzugeben, das geht nicht mit mir. Erklärungen im und zum politischen Prozess vor dem Berliner Landgericht. Runge, Hamburg 1993
  • mit Erich Selbmann und Knut Holm, hrsg. von Gerhard Holtz-Baumert: Briefe aus Moabit. Spotless, Hamburg 1993
  • Zur Sache und zur Person. Erinnerungen. edition ost, Berlin 1996
  • mit Fritz Streletz: Die Verbrechen der NATO. Spotless, Berlin 2000
  • mit Fritz Streletz: Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben. edition ost, Berlin 2011
  • Rede auf der Veranstaltung des Traditionsverbandes Nationale Volksarmee am 5. März 2011 in Berlin
  • Interview: "Wir hatten entschlossene Feinde"; Über - verordneten - Antifaschismus, Verfälschung der Geschichte und die Verbreitung historischer Wahrheit, Wochenendbeilage der "jungen Welt" am 23. 01.2010, Seite1 (Beilage)
  • Solidaritätskomitee für die Opfer der politischen Verfolgung in Deutschland, Heinz Keßler zum 90. Geburtstag am 26. Januar 2010, Heft 35 der Dokumentation, Berlin c/o GRH
  • Matthias Uhl: Heinz Keßler – Honeckers politischer General. In: Hans Ehlert, Armin Wagner(Hrsg.): Genosse General! Die Militärelite der DDR in biografischen Skizzen. Ch. Links, Berlin 2003
  • Bernd-Rainer Barth, Helmut Müller-Enbergs: Keßler, Heinz. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010

Buchankündigung: Wie Lämmer zur Schlachtbank?

Am nachfolgend vorgestellten Buch arbeiteten auch Mitglieder unseres Vereines mit. Wir möchten es an dieser Stelle gerne mittels der Verlagsankündigung vorstellen:

Bertram Seidel, Gabriele Seidel, Enrico Hilbert (Hrsg.)
Wie Lämmer zur Schlachtbank?
Jüdischer Widerstand und Verweigerung aus der jüdischen Bevölkerung in Sachsen gegen da NS-Regime 1933-1945

Das Buch erhebt hinsichtlich der erörterten Thematik weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf theoretischen Tiefgang. Ihr Hauptanliegen besteht vielmehr darin, anhand des Verhaltens konkreter Personen einen Eindruck vom Ausmaß resistenten Handelns aus der jüdischen Bevölkerung eines räumlich klar definierten Territoriums des Deutschen Reiches gegen das Herrschaftssystem der Nazis zu vermitteln und damit der in verschiedenen Milieus noch immer stark verbreiteten Pauschalansicht, die Juden hätten sich nich gegen das Hitlerregime und damit gegen ihr Verderben gewehrt, handfeste Tatsachen entgegenzusetzen. Bekanntlich wurde dieser Aspekt der Holocaust-Gesamtthematik zumindest im deutschsprachigen Raum über lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt und darüber hinaus von einigen Historikern wie beispielsweise Raul Hilberg in seiner 1992 erschienenen Publikation „Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933 bis 1945“ in der Vergangenheit auch verzerrt dargestellt.

Interessierte können das Buch direkt beim Verlag bestellen. >>> https://www.edition-av.de/